Ausstellung Der Erste Weltkrieg im Spiegel expressiver Kunst. Kämpfe - Passionen - Totentanz

Zum 100. Mal jährt sich der Beginn des Ersten Weltkriegs. Auch deutsche Künstler zogen anfangs freiwillig und optimistisch für eine neue bessere Welt an die Front. Die Ernüchterung griff immer weiter um sich, als mit Macke, Marc und Morgner drei Hauptvertreter der klassischen Moderne ihren Einsatz mit dem Leben bezahlten. Neun Millionen Tote und geschätzte 21 Millionen Verwundete und Verkrüppelte – zu Recht wertet die Geschichtsschreibung diese kaum vorstellbaren Leiderfahrungen als „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.

Viele Künstler bedienten sich einer expressiven Formensprache, um die gemachten Erfahrungen festzuhalten. Hinzu kommen Aufarbeitungen der 1920er Jahre und bildnerische Warnungen zur NS-Zeit vor einem 2. Weltkrieg. In Deutschland sah man die kritische Auseinandersetzung mit dem Kriegsgrauen von Anfang an als Wehrkraftzersetzung an, speziell die Nationalsozialisten sahen in diesen Darstellungen „entartete Kunst“.

Ergänzung findet die als Wanderausstellung konzipierte Präsentation in Aschaffenburg durch Leihgaben aus zwei weiteren Privatsammlungen und museumseigenem Bestand.

Die Ausstellung begleitet ein Katalog mit 280 S., 359 Abb. sowie 8 Beiträgen, der für 25,- € erhältlich ist.

Nähere Informationen zur Ausstellung "Der Erste Weltkrieg im Spiegel expressiver Kunst. Kämpfe - Passionen - Totentanz"

Seit Beginn des Jahres 2014 ist der Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren Thema diverser Ausstellungen und einer Fülle von Medienbeiträgen. Diese als Wanderausstellung konzipierte Präsentation mit Werken überwiegend aus der Sammlung Gerhard Schneider sowie aus Künstlernachlässen beleuchtet das Kriegsgeschehen anhand von künstlerischen Erzeugnissen in vorwiegend expressiver Manier. Ergänzung findet die Präsentation in Aschaffenburg durch Werke zweier weiterer Privatsammlungen sowie mit einem Meidner-Blatt aus eigenem Bestand. Von besonderer Bedeutung sind u. a. drei Skizzenbücher Ludwig Meidners, die im Kriegsgefangenenlager Merzdorf, in der Nähe von Cottbus, entstanden sind. Von 1916 bis 1918 leistete Meidner dort seinen Militärdienst als Dolmetscher ab. Zwei davon sind noch nie in einer Ausstellung zu sehen gewesen, das dritte, das „Zweite Psalmenbuch“ vom November 1917, bislang nur einmal. Auch das museumseigene Blatt entstand im Zusammenhang des „Aschaffenburger Tagebuchs“ im August/September 1918, als Meidner hier in einem Reservelazarett aufgrund einer ausgebrochenen Bartflechte war. Es handelt sich dabei um eine Vorzeichnung einer Lithographie in dem 1920 herausgegebenen Band „Septemberschrei. Hymnen, Gebete, Lästerungen“ mit expressionistischer, hymnischer Prosa.

Die internationale Geschichtsschreibung charakterisiert den Ersten Weltkrieg als „Urkatastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts“. Während er bei den Franzosen und Engländern noch heute als „Der große Krieg“ bezeichnet wird, ist er aus dem deutschen Bewusstsein einmal durch die erlittene Niederlage verdrängt, zum anderen durch die noch katastrophaleren Folgen des Zweiten Weltkriegs überlagert worden. Hinzu kam, dass die kriegskritischen Bilder z. B. eines Otto Dix, George Grosz oder einer Käthe Kollwitz, die überwiegend erst in den 1920er Jahren entstanden, ab 1933 im Sinne der von den Nationalsozialisten geforderten Revanche für die Schmach des Versailler Vertrages als „gemalte Wehrsabotage“ diffamiert wurden. Die gezeigten Arbeiten sind großenteils bereits während der Kriegszeit 1914 bis 1918 entstanden, und nur ein kleinerer Teil bezieht sich auf die Aspekte „Erinnerung und Mahnung“.

Dabei lässt sich feststellen, dass Kriegsdarstellungen mit Mitteln der modernen Bildsprache in erster Linie ein deutsches Phänomen darstellen. In den übrigen kriegführenden Nationen orientierte man sich zumeist an traditionell-realistischer Malerei. Insgesamt überraschen Fülle und Qualität der Arbeiten von der Hand heute kaum bekannter, oft in Vergessenheit geratener Künstler, die mit unverstellt kritischem Blick eigene Erlebnisse und Situationen zum Bildinhalt wählten. Neben einer Reihe von Einzeldarstellungen aus dem unmittelbaren Erleben von Künstlern an der Front sind auch ausgewählte Blätter etwa aus der weit verbreiteten Zeitschrift „Kriegszeit“ sowie aus dem „Bildermann“ zu sehen. Bereits 1915 schuf Willy Jaeckel (1888-1944) seine Folge „Memento“: Zehn äußerst drastische Radierungen mit Kriegsgräueln, die in der Nachfolge von Goyas „Desastres de la Guerra“ stehen. Ausgesprochen kriegskritische Arbeiten unterlagen oft dem Einschreiten der Zensur. Um sie zu umgehen, besonders im Bereich der leicht zu verbreitenden Druckgraphik, wandten sich einige Künstler ins neutrale Ausland. So erschien z. B. das Mappenwerk „Krieg 7 Blätter – Allen Völkern gewidmet“ von Willibald Krain (1886-1945) 1916 bei Orell Füssli in Zürich.

Im Mittelpunkt fast allen künstlerischen Schaffens während des Ersten Weltkriegs stehen die unsäglichen Grausamkeiten, mit denen die Künstler während ihres Kriegsdienstes konfrontiert wurden und auf die sie reagierten. Im Einzelfall verhalf dieser Krieg aber auch Talenten zu ihrer künstlerischen Handschrift. So entwickelte der Hamburger Otto Fischer-Trachau (1878-1958), der eigentlich als Kriegsberichterstatter verpflichtet wurde, mehr und mehr seine eigene expressionistische Bildsprache. Waldemar Flaig (1892-1932) legte ein „Kriegstagebuch in Bildern an“. Neben einigen direkten Kriegshandlungen finden sich in seinen Zeichnungen und Aquarellen Kriegsauswirkungen wie Ruinenbilder oder zerschossene Wälder, aber auch Alltagserlebnisse eines Soldaten. Von Fritz Steisslinger (1891-1957) ist bis heute als Einzigem belegt, dass er im Unterstand Bilder in Öl gemalt hat. Fritz Fuhrken (1894-1943) hat uns nach seiner Gefangennahme im August 1918, die ihn ins englische Camp Colsterdale verschlug, einige farbstarke Eindrücke aus seinem Kriegserleben hinterlassen.

Einen besonderen Akzent setzt die Ausstellung auch mit Arbeiten Heinrich Stegemanns (1888-1945). Er war nach einer Verschüttung mit einer schweren Verwundung aus dem Krieg heimgekehrt. Als sich die Kriegsabsichten der Nationalsozialisten abzeichneten, arbeitete er zwischen 1935 und 1937 an einem großformatigen Bilderzyklus mit Schrecknissen des Krieges, um vor einem künftigen Desaster zu warnen. Blätter dieser Folge erschienen nur kleiner Auflage und wurden bislang nur selten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Quelle: Kongress- und Touristikbetriebe der Stadt Aschaffenburg

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