Der Caspar-David-Friedrich-Bildweg

Auf sechs Reisen und Wanderungen, die bis auf die Insel Rügen führten, besuchte Caspar David Friedrich auch seine Heimatstadt Greifswald. Der Caspar-David-Friedrich-Bildweg führt auf einem Rundweg durch Greifswald zu 15 Orten, Aussichtspunkten und Motiven, die sich mit dem Leben des berühmtesten Sohnes der Stadt verbinden oder die er gemalt hat. Der Rundgang beginnt in der Langen Straße am heutigen Caspar-David-Friedrich-Zentrum. Hier wurde der Maler am 5. September 1774 geboren. Das Geburtshaus brannte 1901 ab, aber die Seifensiederei und Lichtgießerei seines Vaters blieb vom Brand verschont und kann besichtigt werden. Eine Ausstellung informiert außerdem über Leben, Werk und Familie des Künstlers.

Die zweite Station ist der Dom St. Nikolai. Hier wurden seine Eltern 1765 getraut und Caspar David am 7. September 1774 getauft. Sein Bruder Christian war als Tischlermeister an der Ausgestaltung des Kirchenraumes 1824 und 1832 beteiligt. Es wird angenommen, dass auch Caspar David Friedrich dabei mit einbezogen wurde.

Weiter geht es zur Universität Greifswald, wo der junge Caspar David Friedrich von 1790 bis 1794 bei Johann Gottfried Quistorp Zeichenunterricht nahm. In dieser Zeit entstanden die Armstudien und der Männliche Rückenakt, die im Pommerschen Landesmuseum Greifswald zu sehen sind. Mit seinem Lehrer verband Caspar David Friedrich eine lebenslange Freundschaft.

Vierter Anlaufpunkt ist die Pfarrkirche Jacobi, die er mehrfach zeichnete und in Bildkompositionen einbaute. Eine Zeichnung der Jacobikirche aus dem Jahr 1815 ist heute im Osloer Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design zu sehen. Sein berühmtes Gemälde „Klosterfriedhof im Schnee“ verbrannte 1945 in der ehemaligen Nationalgalerie in Berlin.

An der fünften Station „Am Wall“ befindet man sich an dem Ort, wo Caspar David Friedrich am 20. August 1818 den Garten seines Bruders Adolph in der Fettenvorstadt mit Blick auf den Dom St. Nikolai skizziert. Später entsteht daraus das Gemälde „Gartenlaube in Greifswald“, das heute im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist. An dieser Stelle kann man sich entscheiden, ob man den Rundgang in der Altstadt fortsetzt oder zu einem längeren Spaziergang zur Station 6 aufbricht, der zu den Wiesen bei Greifswald führt. Dort zeichnete Caspar David Friedrich die Stadtsilhouette mit ihren charakteristischen Backsteinkirchen. Auf einem Podest stehend und sich die heutige Bebauung wegdenkend, ist der Blick des Malers noch gut nachvollziehbar.

Zurück in der Altstadt heißt die siebente Station „An der Bleiche“. Hier zeichnete Caspar David Friedrich vom Fluss Ryck im Vordergrund die Bleiche mit Waschhaus. In der Ferne ist der Kirchturm von Neuenkirchen zu sehen. Das Bild „Am Ryck in Greifswald auf die Mühlen von der Steinbecker Schanze“ entstand 1801 und befindet sich im Besitz des Osloer Nationalmuseums für Kunst, Architektur und Design.

Nächstes Ziel ist die Steinbecker Brücke, die der Maler 1815 zeichnete. Im Hintergrund zeigen Segelschiffe eine Leidenschaft Caspar David Friedrichs an: aufstrebende Masten, die er gern etwas höher ausfallen ließ als in Wirklichkeit. Deshalb hielt er sich auch gern an der nächsten Station des Bildweges „Greifswalder Hafen“ auf, um die unterschiedlichen Schiffstypen zu studieren und im Skizzenbuch festzuhalten.

Station Nr. 10 „Auf dem Ryck“ erinnert an die Hochzeitsreise 1818, als der frisch gebackene Ehemann seiner Frau Caroline offenbar Greifswald auf einer Flussfahrt zeigte. Hier braucht man wegen der Bebauung und der heute hier vorhandenen Bäume ein gutes Stück Fantasie, um das 1818 entstandene Aquarell „Blick auf Greifswald von Osten“ (Museum Georg Schäfer, Schweinfurt) zu erkennen.

Ebenso verhält es sich am Aussichtspunkt 11. Ob Caspar David Friedrich sein Gemälde „Die Lebensstufen“ (1835, Museum der Bildenden Künste, Leipzig) am „Utkiek“ ansiedelte, kann wegen der topografischen Ähnlichkeit möglich sein, ist aber nicht verbrieft.

Der Bildweg führt weiter zur Dänischen Wiek. Hier zeichnete Caspar David Friedrich Schiffe, Boote und Netze. Die Federzeichnung „Segelschiff in der Dänischen Wiek bei Greifswald“ (1815/21) ist im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Beeindruckend wie zu Caspar David Friedrichs Zeiten ist die Klosterruine Eldena, die im Schaffen des Malers eine wichtige Rolle spielt. Er zeichnete sie nahezu von allen Seiten und versetzte sie in mehreren Gemälden und Aquarellen in verschiedene Landschaften, sogar in das Riesengebirge. Das berühmte Gemälde „Ruine Eldena im Riesengebirge“ gehört zur Sammlung des Pommerschen Landesmuseums.

Als Caspar David Friedrich 1818 seine Ehefrau der Familie vorstellt, entsteht das Aquarell „Der Marktplatz von Greifswald mit der Familie Friedrich“, das ebenfalls im Pommerschen Landesmuseum zu sehen ist. Vom Geschäftshaus seines Bruders Heinrich am Markt 10 aus gesehen, versammelt Caspar David Friedrich seine Brüder sowie deren Frauen und Kinder auf dem Marktplatz.

Die letzte Station des Bildwegs ist das Pommersche Landesmuseum selbst. Auf dem Gelände der einstigen Klosterkirche vereint die Gemäldegalerie Werke der Romantiker Caspar David Friedrich, Philipp Otto Runge, Vincent van Gogh, Max Liebermann und Alexej Jawlensky. In dem preisgekrönten Bau, der Mittelalter, Klassizismus und Moderne miteinander verbindet befinden sich außerdem Ausstellungsstücke aus 14.000 Jahren Geschichte.

Der Caspar-David-Friedrich-Bildweg kann als kleine Runde über 1,5 Kilometer nur durch die Altstadt gegangen werden. Dieser Spaziergang dauert etwa zwei Stunden. Vom Hafen zur Klosterruine sind es acht Kilometer. Für den 18 Kilometer großen Rundgang mit allen 15 Stationen sollte man sechs Stunden einplanen.

Caspar David Friedrich besuchte auch mehrfach die Geburtsstadt seiner Eltern Neubrandenburg, um dort Verwandte zu besuchen. Bei diesen Aufenthalten zeichnete er verschiedene Motive in Neubrandenburg und am Tollensesee. Sie waren Vorlage für größere Werke wie zum Beispiel das berühmte Ölgemälde „Das brennende Neubrandenburg“. Da viele der von Caspar David Friedrich gezeichneten Gebäude, wie zum Beispiel die Marienkirche oder Stadttore sowie das von ihm entworfene Denkmal für den Prediger Franz Christian Boll heute noch stehen, entsteht bis zum Herbst 2014 auch in Neubrandenburg ein Caspar-David-Friedrich-Bildweg.

Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie unter der Adresse www.auf-nach-mv.de

Quelle: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Foto: © David Haller, LRA Donau-Ries
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