Einsame Variante des Fernwanderwegs E5

Einsamkeit auf dem E5? Die soeben gegründete Bergführer-Vereinigung Pitztal macht’s möglich. Sie ist die erste zentrale Anlaufstelle für alle Bergsportbegeisterten im Nordtiroler Raum und bietet ab sofort Führungen über eine unbekannte Variante des europäischen Fernwanderwegs: Statt wie üblich per Bus vom Inntal bis ins hinterste Pitztal zu fahren, geht’s über entlegene Pfade durch hochalpines Gelände auf dem Dach Tirols. Wer Ausdauer hat und geländegängig ist, kann mit den Guides durch den Naturpark Kaunergrat streifen und die Wildspitze, den mit 3774 Metern höchsten Nordtiroler Berg, erklimmen. Nach vier Tagen mit insgesamt 3100 Höhenmetern im Anstieg und 49 Streckenkilometern fädelt man sich wieder auf der klassischen E5-Route ein, die von der Braunschweiger Hütte übers Ötztal nach Italien führt. Oder man nimmt den Transfer zurück zum Ausgangspunkt. Das Arrangement wird von 15. bis 18. Juli und von 12. bis 15. August angeboten und kostet mit drei Übernachtungen inklusive Halbpension ab 450 Euro pro Person (ab vier Teilnehmern, mit einer Nacht in der Berghütte, zwei in Gasthäusern). Zusätzliche Termine sowie Informationen zu weiteren Touren und zum Wochenprogramm der Bergführer-Vereinigung Pitztal gibt’s auf Anfrage.

„Die meisten Wanderer trauen sich die E5-Variante allein nicht zu – und fahren vorsichtshalber mit dem Bus an unseren Dreitausendern vorbei“, sagt Raphael Eiter von den Pitztaler Bergführern. Dabei gibt’s eigentlich nur eine Schlüsselstelle, für die man Erfahrung oder eben einen Guide mitbringen muss: den mit Stahlseilen gesicherten Steig vom Madatschjoch (3030 m) hinunter. Wer sich nicht sicher genug fühlt, den leinen Raphael Eiter und seine Kollegen hier an – aber erst, nachdem sie oben die gigantische Aussicht auf die Felsriesen im 360-Grad-Panorama erklärt haben. Direkt vor dem Madatschjoch erhebt sich die Watzespitze-Nordwand, die 600 Meter senkrecht in den Himmel aufragt und eine besondere Magie auf Kletterer ausübt. Rundherum wilde, schroffe Gipfel, soweit das Auge reicht.

„Wir fangen ganz langsam an und erklären den Teilnehmern Schritt für Schritt, worauf es im hochalpinen Gelände ankommt“, so Raphael Eiter. Wenn das Madatschjoch ansteht, haben die Gäste bereits zwei Wandertage mit diversen Trainingseinheiten hinter sich und sind bestens vorbereitet. Anschließend begrüßt Aisha schwanzwedelnd die Wanderer. Sie lebt auf der Kaunergrathütte (2817 m), der höchstgelegenen des gesamten Pitztals übrigens, und unterstützt ihr Frauchen Julia Dobler (25), die vor drei Jahren als jüngste Hüttenwirtin Österreichs ihre erste Saison hier oben verbrachte.

Kurz einkehren, dann vier Stunden nach Mandarfen absteigen, das auf 1740 Metern im hintersten Pitztal liegt. „Von hier aus kann man natürlich gleich auf die Braunschweiger Hütte und weiter auf der E5-Route“, sagt Raphael Eiter. „Aber wenn man schon einmal da ist, muss es unbedingt einen Schlenker über die Wildspitze geben.“ Der 28-jährige Bergführer, dessen Familie schon seit vier Generationen Gäste durch die heimische Gipfelwelt führt, rüstet seine Teilnehmer am nächsten Morgen mit Steigeisen, Kletterset und Eispickel aus – und los geht’s. Mit dem Gletscherexpress auf 2840 Meter, dann weiter durch Eis und Schnee hinauf aufs Dach Tirols. „Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon oben war. Aber auch für mich ist es immer wieder ein erhabenes Gefühl, auf unserem höchsten Berg zu stehen“, schwärmt Raphael Eiter, der seine Gipfel liebt wie andere ihren Vorgarten.

Gemeinsam mit seinen Kollegen der Bergführer-Vereinigung Pitztal gibt Raphael Eiter seine Begeisterung für die hochalpinen Herausforderungen des Pitztals an die Gäste weiter. Cracks sind bei ihm ebenso gut aufgehoben wie ambitionierte Wanderer. „Wir checken im Vorfeld immer das Niveau“, erklärt der Profi, für den es keinen Spaß ohne Sicherheit gibt und der sich in der Tradition der bekannten Bergführervereine sieht, die Mitte des 19. Jahrhunderts neue Horizonte eröffneten. „Unser Büro in Mandarfen ist die zentrale Anlaufstelle, in der wir Gäste auch gern informieren, welche Ausrüstung sie für welche Tour benötigen und welches Ziel aufgrund der Wetterlage vielleicht riskant sein könnte.“

Wer die Angebote der Bergführer-Vereinigung Pitztal nutzt, ist dabei ohnehin auf der sicheren Seite. Das Wochenprogramm mit Klettersteigtag, leichter Gletschertour zum Linken Fernerkogel (3278 m), Erlebnistag im Eis und natürlich mit der Hochtour auf die Wildspitze ist mit 85 bis 90 Euro pro Person äußerst fair kalkuliert. Darüber hinaus locken vom Grundkurs im Eis über den Spaltenbergungskurs bis hin zum Kaunergrat-Klassiker und das Geigenkamm-Wochenende mehrtägige Arrangements. Und auf Anfrage machen die jungen Wilden des Pitztals (fast) alles möglich. „Nur sicher muss es sein“, sagt Raphael Eiter, der im Winter übrigens als Heliskiing-Guide in Kanada unterwegs ist und der gemeinsam mit seinem Cousin das legendäre Pitztaler „Wild Face“ als härtestes Freeride-Rennen im Alpenraum ins Leben gerufen hat.

Über das Pitztal

Das Pitztal gilt als eines der schönsten und wildesten Seitentäler der Ostalpen. Es liegt zwischen Ötztal und Kaunertal – und ist kaum zu verfehlen. Denn von Imst führt genau eine Straße hinauf, links und rechts gesäumt von imposanten Felsriesen, vorbei an idyllischen Dörfern und immer am Fluss entlang. 40 Kilometer sind es bis zum Talschluss bzw. bis zum Ort Mandarfen, der auf 1740 Metern liegt. Dahinter thront der höchste Gletscher Tirols – mit dem Café 3440 als höchstem Café in ganz Österreich. Sportlich ambitionierte Gäste schätzen die hochalpinen Herausforderungen, während Genießer Gipfel und Almen bequem mit den Bergbahnen erreichen.

Quelle: Kunz PR

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