Im Zeichen des Kreuzes

Mal bei Mondlicht, mal im Schnee, mal romantisch, mal eher mystisch – wohl jeder hat sie schon einmal gesehen: Die imposante Backstein-Ruine des Klosters Eldena bei Greifswald war ein Lieblingsmotiv des Malers Caspar David Friedrich und wurde durch ihn zum Inbegriff der Romantik. Heute eine fabelhafte Kulisse für Jazz-Abende und hochkarätige Konzerte: Zum Zeitpunkt der Recherche etwa stand gerade eine Pink Floyd-Show ins Haus.

Von so viel Ruhm kann Pfarrer Axel Prüfer im nahen Franzburg nur träumen, obwohl von dem einst riesigen Kloster Neuenkamp immerhin noch ein wuchtiges Sechstel als Kirche die Zeiten überlebte. Doch in seiner Gemeinde sind die Mittel knapp, er freut sich wie ein Kind über kleine Fortschritte. Den schönen Klostergarten; die Rückkehr einer Mondsichelmadonna aus dem originalen Klosterbestand; und – als größter „Coup“ – eine Orgel aus dem Hamburger Gefängnis Santa Fu – das allein kostete mehr als 30.000 Euro. Punkten kann Franzburg auf jeden Fall mit der Lage des Kloster-Rests. Umgeben von Bäumen, Feldern und Wiesen, auf denen Pferde, Kühe und Schafe friedlich grasen – so ungefähr könnte es schon vor 700 Jahren ausgesehen haben.

Was dabei herauskommt, wenn Bürgermeister, Pfarrer und Sponsoren segensreich an einem Strang ziehen, lässt sich vortrefflich in Dargun besichtigen. 1172 ebenfalls von Zisterziensern gegründet, wurde Kloster Dargun nach der Reformation aufgelöst und zu einem Jagdschloss umgebaut. Im Mai 1945 versank die dreigeschossige Vierflügelanlage durch Brandstiftung in Schutt und Asche. Heute ist die Schlossruine sorgsam gesichert, die Schlosskirche saniert und mit neuem Dach versehen. Ein einmaliges Ensemble inmitten eines schön gestalteten Parks, das sich als Open-Air-Arena für Konzerte und Festivals aller Art erfolgreich etabliert hat.

30 Klöster gibt es heute noch in Mecklenburg und Vorpommern. Sie erzählen von der spannenden Zeit im Mittelalter, als Missionare verschiedener Orden eine Gegend zu kolonisieren begannen, die der Chronist Helmold von Bosau um 1170 wie folgt beschrieb: „Mecklenburg ist ein Land des Mangels und des Hungers, wo der Sitz des Satans und aller bösen Geister ist.“

Die Mönche, allen voran die Zisterzienser, kultivierten Sümpfe und Brachland, verpflichteten Neusiedler als Bauern und Handwerker, organisierten Kirchengemeinden und Landwirtschaft. Nicht zuletzt untermauerten sie im wahrsten Wortsinn ihre Vormachtstellung mit dem Bau mächtiger Abteien wie in Doberan, Dargun oder Eldena. In den Städten gründeten später Mönche der Bettelorden Klöster und widmeten sich – Franziskaner wie Dominikaner – vor allem der Seelsorge für Arme und Kranke. Gut 300 Jahre lang veränderten Klöster nachhaltig die Welt, dann machte die Reformation dieser Blütezeit abrupt den Garaus.

„Genauso faszinierend wie die jeweilige Kloster-Historie sind heute für uns auch die vielfältigen Konzepte für deren Nutzung“, schwärmt Dr. Karl-Reinhard Titzck vom Kultusministerium. In der Tat: Da gibt es großartige Museen wie im idyllischen Kloster zum Heiligen Kreuz in Rostock, eine der besterhaltenen Anlagen im Land. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund hat seinen Sitz im Katharinenkloster, und wo im Mittelalter fromme Klarissinnen beteten, leuchten heute in Ribnitz die Schätze des Deutschen Bernsteinmuseums.

Hinter den dicken Mauern des Johannisklosters in Stralsund erzählen Abertausende von Akten und Urkunden die Geschichte der Stadt von der Gründung 1234 bis zur Verleihung des Weltkulturerbe-Status. Wertvolle Wandmalereien, eine tolle Barockbibliothek und die Bronzenachbildung einer Barlach-Pietà sind weitere Schätze dieses Klosters, das bereits zu DDR-Zeiten unter enormen Mühen weitgehend saniert wurde.

Das Gebäude der Hochschule für Musik und Theater in Rostock hingegen ist ein hinreißendes Kind der Nachwendezeit, obwohl sein Kern aus dem 13. Jahrhundert stammt. Denn in den modernen Neubau wurde das alte Franziskanerkloster einbezogen mit Kreuzgängen, Kapitelsaal und Refektorium – eine für Deutschlands Hochschulen einmalige Atmosphäre. Und auch Besucher genießen hier auf über 250 Veranstaltungen im Jahr regelmäßig doppelt: Musik der Extraklasse in einer Kulisse aus Stein, Glas und Holz, die es so nirgendwo sonst gibt.

„Pilgern heißt, neu zu werden“, so bringt Magdalene Anders kurz und bündig auf den Punkt, worum es Menschen geht, die sich tage- ja wochenlang auf entbehrungsreiche Fußmärsche begeben, etwa auf den Spuren der Heiligen Birgitta von Schweden. Gemeinsam betreiben sie und ihr Mann das Pilgerkloster Tempzin, schon im Mittelalter ein bekannter Wallfahrtsort. Heute dient die 1222 gegründete Antoniter-Präzeptorei als Rast- und Begegnungsstätte sowie als Pilger-Herberge. Das Pastorenehepaar organisiert aber auch Pilgerreisen, bei denen Tempzin Start- und Zielpunkt verschiedener ökumenischer Pilgerwege ist für Großgruppen von bis zu 80 Personen.

Die einzige doppeltürmige Kirche im Land ist das Wahrzeichen des Benediktinerinnen-Klosters Dobbertin am gleichnamigen See. Eine riesige, hervorragend erhaltene und tadellos restaurierte Anlage, in der Theodor Fontane einst Stammgast war und u. a. den „Stechlin“ schrieb. Besonderheit: Hier leben 285 Menschen mit geistiger Behinderung, die vom Diakoniewerk Dobbertin rund um die Uhr betreut werden. „Es ist immer ein bisschen Spagat“, schmunzelt Geschäftsführer Hans Hopkes. „Einerseits sind wir natürlich kein Zoo, andererseits aber wollen wir schon, dass möglichst viele Gäste unsere wunderbare Klosteranlage erleben.“

Die Krönung aller mecklenburgischen Klöster freilich heißt Münster, steht in Bad Doberan und wird von Experten als das bedeutendste mittelalterliche Bauwerk im Bundesland klassifiziert. Keine Frage: Was Generationen genialer Baumeister auf sumpfigen Wiesen zu Ruhm und Ehre Gottes in den Himmel wachsen ließen, ist in seiner harmonischen Synthese aus mönchischer Strenge und kompakter Eleganz nichts weniger als ein gotisches Wunderwerk von höchster technischer wie gestalterischer Perfektion.

Die Innenausstattung der Backsteinbasilika steht dem keineswegs nach und macht das Münster zu einem unvergleichlichen Gesamtkunstwerk. Der Hochaltar von 1310, der zweiseitige Kreuzaltar des Meisters Bernhard von Minden von 1370, die Reliefschnitzerei des Gestühls, eindrucksvolle Grabtafeln, der Schmuck der Pfeiler und Konsolen, die Fensterverglasung – all das stammt weitgehend noch aus der Zeit der Zisterzienser und bezeugt ganz authentisch den unglaublichen Grad ihrer Lobpreisung Gottes.

Quelle: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

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