Kunstpfade, Skulpturenwege und Co: Kunst im öffentlichen Raum im Schwarzwald

Das Kunstwerk Entfaltung und der Friedrichsturm auf dem Skulpturenpfad in Freudenstadt. - Kunstpfade, Skulpturenwege und Co: Kunst im öffentlichen Raum im Schwarzwald

Wer Kunst sehen will, geht ins Museum. Dass dies im Schwarzwald nicht ausschließlich so ist, beweisen die zahlreichen Kunstwerke im öffentlichen Raum sowie die vielfältigen Kunst- und Skulpturenwege. Sie machen die Symbiose von abwechslungsreicher Natur und filigraner Kunst erlebbar und begehbar - unter freiem Himmel oder auch unter der Erde. Humorvolle Werke gehören ebenso dazu wie nachdenkliche. Manche stehen für sich, andere haben einen starken Bezug zu ihrer Umgebung.

Kunst erleben - „Genesis“ im Karlsruher Untergrund

Eine Fahrt mit der Karlsruher U-Bahn führt zu 14 monumentalen Keramikreliefs von Markus Lüpertz, die neben der frei interpretierten biblischen Schöpfungsgeschichte die vier Elemente Wasser, Erde, Luft und Feuer zeigen. Es ist das größte zusammenhängende Keramik-Kunstwerk Deutschlands, Details zum unterirdischen 365-Tage-Stollen in Karlsruhe erfahren Interessierte einmal im Monat bei einer Sonderführung. Ort und Thema gehen eine Symbiose ein, sagt Lüpertz: „Die U-Bahn ist eine Röhre, bereit für eine Reise durch die Unterwelt, eine kreative Reise aus der Dunkelheit ins Licht“. Die Werke des exzentrischen Malers zeichnen sich durch suggestive Kraft und archaische Monumentalität aus. Von 1973 bis 1986 - der Blütezeit der Karlsruher Akademie - war Lüpertz dort Professor. Von 1988 bis 2009 leitete er als Rektor die Kunstakademie Düsseldorf.

Das Kunstwerk High Perch auf dem Rehberger Weg in Weil am Rhein.

Zwei Länder, zwei Kulturinstitutionen, 24 Stationen

Auf knapp fünf Kilometern verbindet der „Rehberger-Weg“ zwei Gemeinden in verschiedenen Ländern, zwei Kulturinstitutionen und unzählige Geschichten: Er verbindet den Vitra Campus in Weil am Rhein mit der Fondation Beyeler im schweizerischen Riehen. In der vielfältigen Natur- und Kulturlandschaft des Dreiländerecks liegen die namensgebenden „24 Stops“ am Wegesrand: 24 Wegmarken des Künstlers Tobias Rehberger, die zum Interagieren, Fantasieren und Assoziieren einladen. Bei geführten Touren kann man noch tiefer in die Materie eintauchen. Natürlich empfiehlt sich auch ein Besuch der Kulturinstitutionen am Start- und Endpunkt der Tour: Die Bauten renommierter Architekten wie Frank Gehry, Tadao Ando und Zaha Hadid haben den Vitra Campus zu einem Anziehungspunkt für Design- und Architekturliebhaber aus aller Welt gemacht. Die Fondation Beyeler widmet sich der modernen und zeitgenössischen Kunst und gilt als eines der schönsten Museen der Welt.

Miniaturen modernen Möbeldesigns: "Vitra Designweg"

Auf dem „Vitra Designweg“ von der Stadtbahnhaltestelle im Zentrum von Weil am Rhein bis zum Vitra Campus warten zwölf laternenartige Vitrinen, die von den Designern Ronan und Erwan Bouroullec entworfen wurden: Auf kleinen, drehbaren Podesten zeigen sie Miniaturen von Highlights des modernen Möbeldesigns aus der Sammlung des Vitra Design Museums. Vom berühmten Kaffeehausstuhl von Thonet aus dem 19. Jahrhundert über Möbel von Le Corbusier bis hin zu Entwürfen von Charles und Ray Eames werden so Ausschnitte aus fast 200 Jahren Möbelgeschichte erlebbar. Die Möbelminiaturen sind den Originalen im Maßstab 1:6 bis ins kleinste Detail nachempfunden und in aufwendiger Handarbeit gefertigt.

Regio-Kunstwege: Flößerkunstweg zwischen Schramberg und Schiltach

Die Flößerei, die Ende 2022 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt wird, war auch im Schwarzwald über Jahrhunderte ein wichtiger Wirtschaftszweig. Der Flößerkunstweg entlang des Radwegs von Schramberg nach Schiltach verbindet historische Informationen zur Flößerei mit moderner Kunst: Drei Stationen sind mit Granitsteinskulpturen der Künstlerin Beatrix Beck markiert. Die Granitsteine haben einen direkten Bezug zur Flößerei, waren sie doch einst im Rappenweiher verbaut, wo sich ein Wehr befand, um die Schiltach aufzustauen und so für die Flöße befahrbar zu machen. Seit der Eröffnung des Flößerkunstwegs im Jahr 2021 ist an jeder Station ein weiteres Kunstwerk hinzugekommen. Am Rappenfelsen auf Schramberger Gemarkung kam 2023 das „Wächterpaar“ (Foto) der Tennenbronner Bildhauerin Ulrike Balkau hinzu: Auf den vom Wasser ausgewaschenen, fast 300 Jahre alten Holzbalken des Wehrs am Rappenweiher ruhen die mit Kupfer und Eisen veredelten Wächterköpfe aus Beton. Die zweite Station befindet sich auf der Sommerwiese in Schiltach-Hinterlehengericht, die dritte auf der Kesslerhalde in Schiltach.

Das Wächterpaar von Ulrike Balkau am Rappenfelsen auf dem Flößerkunstweg in Schramberg.

Galerie auf Zeit: Street-Art-Festival in Blumberg

Das Street-Art-Festival in Blumberg ist eines der größten deutschen Straßenmaler-Festivals: Am 13. und 14. Juli 2024 verwandeln Künstler die Straßen der Eichbergstadt am östlichen Rand der Ferienregion Schwarzwald bereits zum zehnten Mal in eine riesige Open-Air-Galerie. Die gelungene Mischung aus rund 40 international renommierten Straßenmalern im 2D- und 3D-Bereich sowie jugendlichen und erwachsenen Hobbykünstlern sorgt für eine familiäre Atmosphäre. Bis zu 30.000 Besucher schauen den Künstlern über die Schulter und freuen sich über geheimnisvolle, skurrile oder märchenhafte Bilder und Illusionen wie die des mexikanischen Künstlers Mauricio Vargas (Foto). Darüber hinaus unterhalten Straßenkünstler und regionale Acts mit kleinen Shows.

„What a wonderful world” im Gengenbacher Weinberg

Eine Kunstausstellung mitten im Weinberg: Das gibt es in Gengenbach im mittleren Schwarzwald. Die deutsch-elsässische Künstlergruppe „ARTist“ mit Mitgliedern aus Gengenbach und Obernai hat mehrere wetterfeste Werke zum Louis-Armstrong-Song „What a wonderful world“ geschaffen. Das Lied besingt die Natur, die Farben, die Freundschaft und vieles mehr und öffnet die Augen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Die Bilder, Fotografien, Skulpturen und Installationen werden bis 2025 entlang des Rebwegs zwischen der Berglekapelle und dem Pavillon zu sehen sein. Der rund ein Kilometer lange Panoramaweg im Weinberg bietet herrliche Ausblicke über das Kinzigtal bis zu den Vogesen. Gruppenführungen durch den Weinberg sind auf Anfrage möglich. Ein weiterer Tipp: Auch auf dem Philosophenweg in Gengenbach zwischen Wolfslache und Steingräble sind ab dem 22. Juni 2024 Kunstwerke der Gruppe zu entdecken.

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"Schlosslichtspiele Karlsruhe" feiern 75 Jahre Grundgesetz

Als Sitz des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofs ist Karlsruhe die „Stadt des Rechts“ in Deutschland. Im Jahr 2024 feiert die Bundesrepublik 75 Jahre Deutsches Grundgesetz und die Schlosslichtspiele in der Fächerstadt am Nordrand der Ferienregion Schwarzwald nehmen darauf Bezug: Vom 15. August bis 15. September 2024 wird die über 170 Meter lange Fassade des Karlsruher Barockschlosses täglich nach Einbruch der Dunkelheit zur großen Bühne für aufwändige Projektionen, die sich unter dem Motto Everybody counts" auf eindrucksvolle Weise mit den Themen Recht und Demokratie auseinandersetzen. Der Eintritt ist frei. Zum Auftakt der zehnten Schlosslichtspiele kommt Herbert Grönemeyer am 9. und 10. August 2024 für zwei einmalige (und kostenpflichtige) Open-Air-Konzerte auf den Schlossplatz. Er ist nicht nur einer der erfolgreichsten deutschen Musiker, sondern seit Jahrzehnten auch sozial und politisch engagiert.

Vom „Graffiti-Haus“ zum „Kunstpferd“ in Freiburg

Florale, naturnahe Motive prägen das „Graffiti-Haus“ in der Freiburger Kirchstraße: 2016 beauftragte die Eigentümerin des um 1870 im Stil des Historismus erbauten Hauses den Graffiti-Künstler Tom Brane mit der Neugestaltung der Fassade - herausgekommen ist ein echter Hingucker in bunten Farben. Auch das Holbeinpferd im Stadtteil Wiehre gehört zu den Top Ten der Kunstobjekte: Die 1936 von Werner Gürtner geschaffene Betonskulptur aus städtischem Besitz wird seit den 1980er Jahren immer wieder neu bemalt, überbringt Liebesschwüre, gratuliert zu Geburtstagen oder trägt Fußballtrikots. Jedes Jahr wächst sein Bauchumfang durch neue Farbschichten um drei Millimeter. Auch als Einhorn und Pegasus hat die 1,90 Meter große und rund eine Tonne schwere Skulptur schon überrascht.

„Kunstweg Weinsüden“ in Sasbachwalden

Kunst trifft auf sonnige Rebhänge und herrliche Ausblicke: Unter diesem einladenden Motto sind auf dem knapp drei Kilometer langen „Weinsüden-Kunstweg“ in Sasbachwalden 32 Kunstwerke zu entdecken. Zu den abwechslungsreichen Bildmotiven gehören unter anderem der Schwarzwälder Bollenhut, die Weinbautradition der Ortenau sowie Kunstwerke eines Wetterfahnenmachers. Immer wieder bieten sich schöne Ausblicke auf die Fachwerkstadt im mittleren Schwarzwald. Regionale Weine und alkoholfreie Getränke gibt es in zwei Genießerhisli.

Der WEINSÜDEN-Kunstweg in Sasbachwalden.

Kunstwerke, Wildrosen, Panoramablick: Skulpturenweg in Freudenstadt

Geschichtsträchtige und moderne Kunstwerke vereint der Skulpturenweg in Freudenstadt: Auf fünf Kilometern führt er hinauf auf den Kienberg. Oben erwartet den Wanderer der Duft tausender Wildrosen und ein Panoramablick vom Friedrichsturm über den Nördlichen Schwarzwald. Mehr als 40 Skulpturen und gestaltete Brunnen von Künstlern wie Wolf Bröll oder René Dantes sind auf dem Rundweg zu sehen. Vor dem Friedrichsturm steht die „Entfaltung“ von Margot Jolanthe Hemberger (Foto): Die überdimensionale Blüte aus Edelstahl, bemaltem Glas und Holz veranschaulicht die These der 2016 verstorbenen Loßburger Bildhauerin, dass es keine Form und Struktur gibt, die nicht von der Natur vorgegeben ist.

Übergroße Tannenzapfen im Hochschwarzwald

Kunst und Natur ergänzen sich im Schwarzwald gut - ein schönes Beispiel dafür ist Stefan Strumbels Kunstwerk „Verstehen ist das Gefühl von Heimat“: Zwei überdimensionale Tannenzapfen aus Cortenstahl ragen 15 Meter in die Höhe. Die 150 Quadratmeter große Skulptur steht in Grafenhausen vor der Badischen Staatsbrauerei Rothaus im Hochschwarzwald und wurde anlässlich des Jubiläumsjahres "2016 - 60 Jahre Tannenzäpfle" und 225 Jahre Brauerei Rothaus - aufgestellt. Die zweiteilige Skulptur symbolisiert nach Aussage des Offenburger Künstlers ein dichotomes Weltbild und verdeutlicht die romantische Vorstellung von der Ganzheitlichkeit des Menschen, der Suche nach dem wahren Leben - worauf der Titel des Werkes konkret Bezug nimmt.

Tannenzäpfle - Skulptur von Stefan Strumbel vor der Badischen Staatsbrauerei Rothaus in Grafenhausen.

Entdeckungen auch für Kinder: Skulpturenweg in Lörrach

Die Lörracher Innenstadt mit ihren regionalen und internationalen Kunstwerken lässt sich am besten bei einem „Kunstspaziergang“ auf dem Skulpturenweg entdecken - ob im Rahmen einer öffentlichen Führung oder auf eigene Faust. An 24 Stationen präsentiert sich eine spannende Mischung aus Brunnen und Skulpturen. Geschaffen von Kunstschaffenden aus der Region und international renommierten Künstlern. Unter anderem mit Werken von Bernd Göring, Ulrich Rückriem, Stephan Balkenhol (Foto), Franz Bernhard, Bruce Nauman und Beatrix Sassen. Mal gegenständlich, mal abstrakt. Mal ernst oder mahnend. Mal mit einem Augenzwinkern. Der knapp zweistündige Rundgang in Lörrach - vom Burghof über das Dreiländermuseum und das Rathaus zurück ins Zentrum zum Marktplatz - ist auch für Kinder geeignet. Um alle Stationen zu finden, dürfen die kleinen Entdecker auch mal um die Ecke oder in einen Hinterhof schauen.

Freiluftgalerie im Dreiländereck: „ART-Dorf“ Ötlingen

Ötlingen, ein Stadtteil von Weil am Rhein, ist eines der schönsten Dörfer im Dreiländereck. Das verträumte „Rebdorf am Himmel“ hat sich seit 2007 zum „ART-Dorf“ entwickelt: An vielen Fassaden, in Höfen und Gärten findet sich Kunst, von Gemälden über Skulpturen bis hin zu Fotografien und Drucken. Immer wieder werden Objekte ausgetauscht oder neu installiert, so dass man bei einem Spaziergang immer wieder Neues von Künstlern aus der Region und dem europäischen Ausland entdecken kann. Initiator ist der Künstler Gerhard Hanemann. Er brachte die Idee aus einem Italienurlaub im Abruzzen-Dorf Casoli mit. Ein weiterer Tipp: Ein Besuch im Café Inka mit seiner wertvollen Tapete, die 1819 von der Pariser Tapetenmanufaktur Dufour et Leroy hergestellt wurde und in ihrer Vollständigkeit einzigartig ist. Sie zeigt Szenen aus dem Leben der Inkas vor der Eroberung 1532 und der Zerstörung durch den Spanier Pizarro.


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„beWEGte Rebzeilen“ im Kaiserstuhl

Der Verein „Kunst.Natur.Kaiserstuhl“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Kunstwerken neue Akzente in der einzigartigen Landschaft des Kaiserstuhls zu setzen. Ein Beispiel dafür sind die „beWEGten Rebzeilen“ des Architekten Pierre Gendron, die auf den „Kunstacker“ im Wihltal bei Bahlingen locken. Inspiriert von der Kaiserstühler Weinlandschaft interpretiert das Kunstwerk die linearen Rebzeilen auf unerwartete Weise: Die wellenförmige Anordnung der 100 weißen Rebpfähle steht im Wechselspiel mit den regelmäßig angeordneten Rebzeilen und unterstreicht die Schönheit des kleinen Mittelgebirges vulkanischen Ursprungs. Eine Übersicht über die mehr als zehn Kunstwerke an verschiedenen Orten im Kaiserstuhl finden Sie unter www.kunst-natur-kaiserstuhl.de.

Auf den Spuren des Bildhauers Erich Hauser im mittleren Schwarzwald

Unverwechselbare Eigenständigkeit und unnachahmliche handwerkliche Qualität machten Erich Hauser (1930-2004) zu einem Wegbereiter der bildenden Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. An zwei Orten im mittleren Schwarzwald sind Werke von ihm zu entdecken: Der Kunstweg in Schramberg-Talstadt führt zu fünf Werken Hausers, darunter die Skulptur vor dem Schloss (www.schramberg.de). In Rottweil hat Hauser lange gelebt und ist auch gestorben: Der große Skulpturenpark (Foto) präsentiert seine Werke im Dialog mit der Natur und der Architektur seines Anwesens. Von April bis Oktober lädt die Kunststiftung Erich Hauser zu offenen Samstagen und Sonntagen, Führungen, Ausstellungen, Konzerten und anderen Kunstprojekten ein.

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Quelle: Schwarzwald Tourismus GmbH

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