Neues Eröffnungsdatum der Großausstellung DAS STÄHLERNE HERZ
Die Geschichte der Völklinger Hütte ist beispielhaft für die Geschichte Deutschlands und Europas. Die konkreten Geschehnisse im und um das Eisenwerk erzählen die Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts gewissermaßen von selbst. Umso erstaunlicher ist es, dass bislang keine zusammenhängende Präsentation zu diesem Thema realisiert wurde. Dies wird nun erstmals umfassend unternommen.
Mit „DAS STÄHLERNE HERZ” findet der Ort der Wechselausstellungen im Weltkulturerbe gewissermaßen zu sich selbst zurück. Es gibt keinen passenderen Schauplatz als den Raum zwischen den riesigen Schwungrädern der Gebläsehalle, die die Geschichte Deutschlands und Europas in all ihren Licht- und Schattenseiten vorangetrieben haben.
Zentrale historische Epochen und gesellschaftliche Themen des 19. bis 21. Jahrhunderts spiegeln sich im Kosmos der Völklinger Hütte wider: von der frühen Industrialisierung und den Innovationsschüben der Gründerzeit über die beiden Weltkriege und die damit einhergehende Stahlhelm- und Waffenproduktion sowie massive Zwangsarbeit bis hin zur Montanunion, der Europa-Vision und dem „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegszeit – erwirtschaftet auch von „Gastarbeiter:innen“ –, der Umwelt- und Strukturkrise der Stahlindustrie und dem Wandel zur Dienstleistungs-, Wissens- und Freizeitgesellschaft, für den das Weltkulturerbe gleichfalls beispielhaft steht.
Die Ausstellung bietet in zwölf chronologisch strukturierten Kapiteln zahlreiche neue Forschungserkenntnisse, beispielsweise zur Wechselwirkung von Schwerindustrie und Jugendstil im Deutschen Kaiserreich und in ganz Europa. Sie versammelt historisches Material des 19. und 20. Jahrhunderts in allen Medienformaten (Foto, Text, Film sowie Tondokumente), das bislang in zahlreichen Archiven und Sammlungen verstreut war, und bereitet es zeitgemäß auf. Dabei wird es mit der eigenen Sammlung des Weltkulturerbes Völklinger Hütte sowie mit ausgewählten literarischen Texten, Musikstücken und Kunstwerken der Moderne kombiniert. Ergänzt wird dies durch eigens für die Ausstellung entstandene Rauminstallationen internationaler Gegenwartskünstler:innen.
Objekte, Fotografien und Dokumente zur Hüttengeschichte treten somit in einen kreativen Dialog mit Literatur, Musik, Film und Kunst. Menschen unterschiedlichster Jahrzehnte und Positionen werden in ihrer Interaktion mit der riesigen Maschine sichtbar – exemplarisch für das Anthropozän, unser menschengemachtes Zeitalter.
Sei es durch die Einspielung des Saarliedes „Der 13. Januar” von Bertolt Brecht und Hanns Eisler aus dem Jahr 1934, durch O-Töne von Erika Mann und Erich Honecker oder durch Peter William Holdens pneumatisch bewegte Multimedia-Installation „Vicious Circle” aus dem Jahr 2012: Die Ausstellung entwirft eine andere, neue und wesentlich erweiterte Geschichte der Völklinger Hütte – sinnlich, überraschend und multiperspektivisch. Dabei werden die Geschichte und Geschichten um das Eisenwerk und dessen Menschen kritisch auf den Prüfstand gestellt und kontextualisiert: mit aktuellem Wissen und erhellenden Kunsteinsätzen.
Zu den Künstler:innen der Ausstellung gehören u. a. Giulia Andreani, John Bock, Christoph Brech, KP Brehmer, Aleksandar Denić, Otto Dix, Nikolaus Eberstaller, Marcel van Eeden, Linda Fregni Nagler, John Heartfield, Peter William Holden, Fritz Koelle, Louis Krevel, Richard Luksch, Adolph Menzel, Lukas Ratius, Carl Röchling, Julian Rosefeldt/Piero Steinle, Mehmet Ünal und Grete Waldau.
Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Saarland | Deutschland
Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist eine von derzeit 39 UNESCO-Welterbestätten in Deutschland. Es steht in seiner Bedeutung auf einer Stufe mit den ägyptischen Pyramiden, der Großen Mauer in China, dem Kölner Dom oder dem Great Barrier Reef in Australien. Ein Besuch des Weltkulturerbes Völklinger Hütte ist ein Abenteuer: Tief hinein geht es in die dunklen Gänge der Möllerhalle, hoch hinaus führt der Aufstieg auf die Aussichtsplattform am Hochofen.
Zur Ausstellung erscheint das Katalogbuch "Das stählerne Herz. Deutschland und Europa im Brennglas der Völklinger Hütte" im Hirmer Verlag, München, Herausgeber: Ralf Beil und Gestaltung: KomaAmok. Mit Essays u. a. von Sven Beckert, Ralf Beil, Hendrik Kersten, Susanne Nimmesgern, Inge Plettenberg, Christian Reuter, Michael Röhrig sowie Quellentexten von Konrad Adenauer, Bertolt Brecht, Erich Honecker, Erika Mann, Hermann Röchling, Hedda Zinner u. a. m. 512 Seiten, 550 Abbildungen, Hardcover, Deutsche und englische Ausgabe.
Der Berliner Graphic-Novel-Künstler Jens Harder realisiert eigens für das Weltkulturerbe Völklinger Hütte einen 80-seitigen Band zur Geschichte der Völklinger Hütte, der im Carlsen Verlag, Hamburg, erscheinen wird. Dieser produziert die deutsche und englische Ausgabe. Die französische Ausgabe erscheint bei Éditions Actes Sud, Arles.
Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung. Partner sind unter anderem das Saarländische Staatstheater, die Hochschule für Musik Saar, das Filmhaus Saarbrücken und das Kino Achteinhalb.
Die Ausstellung wird durch zahlreiche Förderbeiträge ermöglicht, unter anderem von der Kulturstiftung der Länder, der Saarland-Sporttoto GmbH, der Staatskanzlei des Saarlandes, der Montan-Stiftung Saar, der Ulli-und-Uwe-Kai-Stiftung, der Stiftung des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie des Saarlandes, der Röchling-Stiftung und der Arbeitskammer des Saarlandes.
Quelle: Weltkulturerbe Völklinger Hütte I Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur
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