Theater-Zeitreise durch 200 Jahre Kurgeschichte Bad Mergentheims
Wenn im Theater plötzlich der amtierende Oberbürgermeister Udo Glatthaar und der aktuelle Kurdirektor Sven Dell selbst auf der Bühne stehen, erhält die Stadtgeschichte ein ganz neues Echo: In dem eigens entwickelten Theaterstück „Die Quellen von Bad Mergentheim – Eine Reise durch Zeit und Heilkunst“ haben beide einen kurzen Auftritt. Sven Dell ist dabei an allen drei Terminen zu erleben. Im 5. Akt schlüpft er in eine Rolle rund um die „Zukunft der Quellen“ und eine Pressekonferenz. Udo Glatthaar wirkt bei der Premiere mit. Er tritt im zweiten Akt in einer historischen Szene als König Wilhelm II. auf – ein augenzwinkernder Moment mit festlichem Ton, ohne den Abend „zu verraten“.
Wenn die Quellen sprechen könnten, würden sie einiges erzählen: von einem Schäfer, der auf einer Tauberwiese ein „spärliches Gerinnsel“ bemerkt, von Rathaus-Sitzungen, die streng geheim sein sollen, aber dann doch in der Wirtschaft landen, von königlichem Besuch im Kurpark und von der Frage, wie ein Kurort im 21. Jahrhundert zwischen Klangschalen und Content weiterlebt. Genau diese Geschichten bringt die StudioBÜHNE des Kulturvereins Bad Mergentheim gemeinsam mit der Kurverwaltung als eigens entwickeltes Theaterstück auf die Bühne: „Die Quellen von Bad Mergentheim – Eine Reise durch Zeit und Heilkunst“.
Anlass ist ein großes Doppeljubiläum: 200 Jahre Entdeckung der ersten Heilquelle und 100 Jahre Verleihung des Titels „Bad“. Autorin des Stücks ist Monika Schumann, die seit Jahren in der StudioBühne aktiv ist – als Spielerin, Spielleiterin und Regisseurin. Ihre Theatererfahrung und die Berichterstattung vieler hilfreicher Quellen trugen dazu bei, dass es nun ein ganz eigenes, passgenaues Stück für diesen Anlass gibt.
Zu Gast in Bad Mergentheim
Liebliches Taubertal | Baden-Württemberg | Deutschland
Gesund kuren in Bad Mergentheim, dem internationalen Stoffwechselheilbad und Gesundheitskompetenz-Zentrum an der Romantischen Straße. Baden-Württembergs größte Kurstadt mit den 4 berühmten Quellen ist bekannt für die einzigartige Vielfalt moderner Kurhäuser, Sanatorien und Kurkliniken und ihre Gastfreundschaft.
Entstanden ist eine Inszenierung, die nicht „alles“ erzählen will, sondern prägnante Szenen verschiedener Epochen aneinanderreiht – mal feierlich, mal komisch, mit Musik und überraschenden Brüchen. „Mich hat fasziniert, wie viel Bad Mergentheim seiner Quellengeschichte verdankt – und wie nah uns manche Fragen bis heute sind: Wer packt an, wer zweifelt, wer profitiert? Wir erzählen keine Chronik, sondern prägnante Szenen – mit Humor, Musik und auch Momenten, die nachhallen“, so Monika Schumann, Autorin und Regisseurin.
Vier Quellen als Erzählerinnen – und als Figuren
Ein besonderer Kniff ist, dass die vier Bad Mergentheimer Heilquellen als Figuren auftreten und als kommentierender Chor durch die Zeiten führen.
Die Wilhelmsquelle, Karlsquelle, Albertquelle und Paulsquelle werden so zu „Zeitzeugen“ – mit Witz, Eigensinn und durchaus modernen Seitenhieben. Schon im Vorspiel steigen sie „aus dem Nebel“ auf die Bühne, stellen sich dem Publikum vor und machen klar: Diese Geschichte gehört nicht nur den Menschen, sondern auch dem Wasser. „Das Stück ist unsere Liebeserklärung an Bad Mergentheim – witzig, musikalisch und mit viel Herz für die Menschen hinter der Kurgeschichte“, sagt Niklas Käfer, der als Regieassistent mitwirkt.
Aufführungstermine
Das Theaterstück wird im Großen Kursaal des Kurhauses dreimal aufgeführt:
- Premiere: Freitag, 25. September 2026, 19:30 Uhr
- 2. Vorstellung: Samstag, 26. September 2026, 19:30 Uhr
- 3. Vorstellung: Sonntag, 27. September 2026, 16:00 Uhr
Ticket- und Vorverkaufsinfos unter: kurpark.reservix.de/events
Von der Tauberwiese ins Rathaus – und vom „Amtsgeheimnis“ an den Stammtisch
Der erste Akt beginnt dort, wo Kurgeschichte zur Legende wird: Am 13. Oktober 1826 entdeckt der Schäfer Franz Gehrig auf einer Wiese an der Tauber eine Quelle, deren Wasser bitter-salzig schmeckt und die seine Schafe auffällig gern trinken.
Die Szene kippt von Naturidylle in handfesten Humor, wenn Franz’ Frau Kreszenz das Wasser probiert und spontan urteilt, es schmecke eher nach „Gift“.
Doch die Idee lässt sie nicht los – und so landet ein Krug Quellwasser bald beim Stadtschultheiß, der erst abwinkt, dann würgt und schließlich nachfragt und die Maschinerie in Gang setzt.
Was folgt, ist eine jener Szenen, die das Publikum vermutlich wiedererkennt: „strenge Amtsverschwiegenheit“, eilige Briefe an die Räte und ein Amtsbote, der auf dem Weg prompt in der Wirtschaft hängen bleibt. Das Ergebnis: Wenn die Ratsherren zur geheimen Sitzung eintreffen, „pfeifen es die Spatzen bereits von allen Dächern“.
Gleichzeitig zeigt das Stück, dass hinter allem Spaß ein ernstes Thema steckt: die Hoffnung, dass aus einer Entdeckung Gesundheit, Arbeit und eine sichere Zukunft für die Stadt erwachsen. „Genau diese Mischung aus Historie und Humor macht den Reiz des Stücks aus. Ich wünsche mir, dass man nach dem Abend nicht nur schmunzelt, sondern auch stolz auf diese Stadt ist“, so die Autorin.
Die Geburtsstunde der Kurstadt – und ein Blick auf ihre Schattenseiten
Die Handlung bleibt nicht bei Anekdoten stehen. Es geht um Gutachten, Badekultur und die ersten Schritte zum geregelten Kurbetrieb. Wenn im Stück der Stadtschultheiß euphorisch vom „Grundstein zu einem großen Heilbad“ spricht, wird deutlich, wie aus der Idee und dem „bitteren Wasser“ in Bad Mergentheim ein Wirtschafts- und Gesundheitsstandort entsteht.
Später taucht die Badeordnung auf, inklusive skurriler Benimm- und Disziplinregeln, und gewährt damit einen weiteren Einblick in die Mentalität einer Zeit, in der Heilkunst und Moral eng miteinander verbunden waren. Die Inszenierung erlaubt sich auch Brüche. So fällt etwa der Satz, dass der „Entdecker“ Franz Gehrig am Ende arm und verbittert stirbt – eine Ironie des Schicksals in einem Stück über „Bitterwässer“. Genau diese Kontraste machen den Abend zu mehr als nur einer hübschen Jubiläumsschau. Es geht auch um Anerkennung und Teilhabe sowie darum, wer am Ende von großen Entwicklungen profitiert.
Königlicher Glanz, „Bad“-Prädikat und schließlich die Gegenwart
Im weiteren Verlauf springt das Stück zu großen Stationen der Kurgeschichte: zur feierlichen Einweihung der Wilhelmsquelle im Jahr 1907, bei der König Wilhelm II. mit Gattin anreist und die Quelle seinen Namen erhält. Später wird auch das Prädikat „Bad“ thematisiert, als Moment, in dem aus dem Städtchen offiziell die Kurstadt wird.
Schließlich schlägt die Inszenierung den Bogen in die Gegenwart: Ein Akt trägt den Titel „Zwischen Klangschalen und Content“ – ein augenzwinkernder Kommentar dazu, wie sich Gesundheitsangebote, Zeitgeist und Vermarktung im Laufe der Zeit verändert haben.
Große Besetzung, viele Rollen, viel Bewegung
Hinter den Kulissen läuft das Projekt bereits seit Längerem: Schon im Juni 2024 wurde die Idee geboren. Nach der Vorbereitung und der Textarbeit wurde ein Casting veranstaltet, bei dem sich auch Laien und Neuinteressierte bewerben konnten. Das Ensemble ist groß, es gibt Rollenwechsel und Massenszenen.
Rund 40 Mitwirkende von jung bis alt – viele aus Bad Mergentheim und der Region – bringen das Theaterstück in fünf Akten auf die Bühne. Nach dem zweiten Akt gibt es eine Pause. Die Produktion wird von der Kurverwaltung unterstützt, die das Projekt mit angestoßen hat. Die Hauptleitung in der Regie liegt bei Monika Schumann, die von Antonia Neumann und Niklas Käfer unterstützt wird.
Quelle: Kurverwaltung Bad Mergentheim GmbH
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