Tourismus stärkt Kultur den Rücken - 3. Tourismuspreis des Landes MV geht an Theater- und Festspielintendanten

Mit dem diesjährigen Tourismuspreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern sendet die Tourismusbranche ein Zeichen an die Kultur: Die zum dritten Mal verliehene Auszeichnung erhalten in diesem Jahr Dr. Wolfgang Bordel von der Vorpommerschen Landesbühne Anklam und Dr. Matthias von Hülsen von den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. „Tourismus und Kultur stehen in einer fruchtbaren Wechselbeziehung zueinander. Das eine ist ohne das jeweils andere nicht vorstellbar“, sagte Sylvia Bretschneider, Präsidentin des Tourismusverbandes aus Anlass der Auszeichnung im Rahmen des 22. Tourismustages im mecklenburgischen Golchen. Mit Wolfgang Bordel und Matthias von Hülsen würden zwei der einflussreichsten Förderer kultureller Angebote mit touristischer Bedeutung ausgezeichnet. „Ohne ihren Mut, ihre Beharrlichkeit und ihre visionäre Kraft wäre die kulturelle Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns um einiges ärmer. Keiner der zwei Preisträger hat jemals nur einen Job gemacht, beide stecken ihre ganze Kraft in ihre Aufgaben“, erklärte Frau Bretschneider weiter.

Jürgen Seidel: Wolfgang Bordel hält Kultur gegen alle Widerstände hoch
Der in Halle (Saale) geborene Wolfgang Bordel wurde 1983 Intendant des Theaters Anklam, das Datum seines Engagements in Vorpommern jährt sich im nächsten Jahr zum 30. Mal. Bordel führte das Haus durch die unsichere Zeit der politischen Wende nach 1989. Er privatisierte die Bühne und wandelte sie zur Vorpommerschen Landesbühne um, deren Intendant und Geschäftsführer er seit 1993 ist. In den Jahren danach expandierte das Theater an weiteren Spielorten in der Region: Im Chapeau Rouge in Heringsdorf, auf der Open-Air-Bühne und im Gelben Theater „Blechbüchse“ in Zinnowitz, im „Deutschen Theater“ Peenemünde, in der Barther „Boddenbühne“, im Barther „Theatergarten“ sowie in Wolgast und im Städtchen Usedom wurden auch von Touristen stark besuchte Sommerstücke und Reihen wie zum Beispiel „Peene brennt“ aufgeführt. Jährlich kommen rund 70.000 Zuschauer in die Vorstellungen; kein anderes Theater in Mecklenburg-Vorpommern spielt im Vergleich zu seinem Etat so viel ein wie die Vorpommersche Landesbühne. Im Jahr 1999 gründete Bordel zudem die Theaterakademie Vorpommern auf Usedom. Für die Spielzeit 2012/13 wurde der Intendant der Vorpommerschen Landesbühne als Schauspieldirektor an die Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz berufen. Der 61-Jährige gilt als kritischer, kreativer und nicht selten auch unkonventioneller Geist. Zuletzt hat Bordel in der aktuellen Diskussion um die Struktur der Theaterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern immer wieder klar und deutlich Stellung bezogen und unter anderem den Vorschlag zu einem Landestheater Vorpommern/Strelitz eingebracht. Jürgen Seidel, Vorsitzender des Landestourismusverbandes, sagte in seiner Laudatio auf dem Tourismustag: „Wolfgang Bordel hält die Kultur gegen alle Widerstände hoch und schafft Angebote, die den touristischen Reiz der Region erhöhen. Mit Mut und Beharrlichkeit leistet das Anklamer Theater wertvolle kulturelle und demokratische Arbeit auf dem ‚platten Land‘. Nur in einem freiheitlichen und weltoffenen Mecklenburg-Vorpommern können wir gute Gastgeber sein und die touristische Erfolgsgeschichte auch international fortschreiben.“

Alexander Winter: Matthias von Hülsen baut Brücken in den Nordosten
Der Ende des Jahres 2013 als Intendant der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ausscheidende Matthias von Hülsen hat nach seinem ersten Arbeitsleben als Kinderarzt gleich mehrfach die Fähigkeit bewiesen, Klassikfestivals aus der Taufe zu heben und zu entwickeln. Mit Justus Frantz gehörte er zu den Gründern des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Zudem ist er Gründungsvater der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, deren Intendant er bis Oktober 2002 war und seit Januar 2009 wieder ist. Das Gründungskonzert fand am 13. Mai 1990 im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin statt. Seither bestechen die Festspiele als inzwischen drittgrößtes Klassikfestival Deutschlands Jahr für Jahr mit einer Mischung aus hochkarätigen internationalen Ensembles und Solisten sowie einer Orientierung auf Nachwuchskünstler und das musikalische Erbe Mecklenburg-Vorpommerns. Rund 70.000 Besucher besuchen jedes Jahr Konzerte und Veranstaltungen der Festspiele. In diesem Jahr gastierten Musiker aus 40 Ländern bei 125 Konzerten in 83 Spielstätten an 65 Orten. Matthias von Hülsen forcierte den Aufbau vieler Reihen und Festival-Schwerpunkte wie „Junge Elite“, „Sleeping Beauties“, „Musik aus MV“, „Musik und Literatur“ oder seit diesem Jahr der „Festspielfrühling Rügen“. Die Festspiele kooperieren heute mit mehr als 50 Partnerhotels. Zum 20-jährigen Jubiläum im Jahr 2010 wurde die „Festspiele Mecklenburg-Vorpommern-Stiftung“ gegründet, für die inzwischen über 800.000 Euro von mehr als 100 Privatpersonen zugestiftet wurden. Alexander Winter, Vorstandsmitglied des Landestourismusverbandes sowie der Festspiele MV, sagte in seiner Lobrede: „Matthias von Hülsen erhält den Tourismuspreis Mecklenburg-Vorpommern, weil er ein hervorragender Botschafter unseres Landes ist. Seit 23 Jahren baut er Brücken, über die in jedem Jahr Tausende von Menschen aus allen Teilen Deutschlands in den Nordosten kommen.“ Etwa die Hälfte aller Festspielbesucher stamme nicht aus Mecklenburg-Vorpommern.

Tourismuspreis zum dritten Mal vergeben
Der von der Deutschen Kreditbank gestiftete Tourismuspreis MV wurde in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Die den Preis symbolisierende Plastik des Heiligen Christophorus, dem Schutzpatron der Reisenden, ist von dem aus Rostock stammenden Bildhauer Thomas Jastram gestaltet worden. Im vergangenen Jahr wurde der vorpommersche Biologe und Agrarforscher Professor Michael Succow ausgezeichnet. 2010, im ersten Jahr der Vergabe, wurden der 2011 verstorbene, ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Professor Gottfried Kiesow, und die Aktionsgemeinschaft „Freier Himmel e. V.“ geehrt. Über die Vergabe entscheidet der Vorstand des Landestourismusverbandes. Weitere Informationen: www.tourismuspreis-mv.de

Rolle und Bedeutung von Kulturtourismus für MV
Das Kunst- und Kulturangebot ist laut der repräsentativen Befragung Qualitätsmonitor Deutschlandtourismus für 22 Prozent der Urlaubsgäste des Landes ein Grund, sich für Mecklenburg-Vorpommern als Reiseziel zu entscheiden. Immerhin 31 Prozent bezeichnen ihren Urlaubsaufenthalt als Kultururlaub. 26 Prozent besuchen Festivals oder Kulturveranstaltungen, 17 Prozent zieht es zu Theateraufführungen. Während rund drei Viertel aller Gäste kulturelle Angebote in ihrem Urlaub im Nordosten wahrnehmen, spielt Kultur bei der Entscheidung für das Reiseziel Mecklenburg-Vorpommern bislang nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich ein Prozent der im Rahmen des Qualitätsmonitors Befragten gibt Kultururlaub als Haupturlaubsart an. Viele der kulturellen Veranstaltungen und Reihen erfreuen sich eines großen Zuspruchs von Touristen. So ist etwa jeder zweite Gast der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern auch ein Gast des Landes. Auch ein hoher Prozentsatz der jährlich etwa 750.000 Open-Air- und der rund drei Millionen Museumsbesucher im Land stammt aus anderen Bundesländern oder Ländern. Der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern hat die Rolle der Kultur in seiner neuen und bis 2022 gültigen Kommunikationsstrategie deutlich gestärkt. Eine von vier Urlaubswelten, mit deren Hilfe zukünftig Gäste angesprochen werden, ist mit „Kultur und Genuss“ überschrieben.

Quelle: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

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