Wandern ist so viel mehr

Jeder Ort hat seine eigene Ausstrahlung. Jeder Teilnehmer seine eigene Wahrnehmung. An dieser besonderen Wanderung mit Rüdiger Grebe (re.) hat sich auch Daniel Letocha (ehem. Geschäftsführer TVSW / heute Geschäftsführer der Tourismus & Congress GmbH Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler) beteiligt. - Wandern ist so viel mehr

Die BLB-Tourismus GmbH hat gemeinsam mit interessierten Bürgern und unter Einbezug der wissenschaftlichen Expertise der Fernuniversität Hagen ein touristisches Zukunftsprojekt erarbeitet. Zentrale Frage des sogenannten „Wanderlabors” ist die Gestaltung und Entwicklung von Wegen, die den Erwartungen der Wanderer entsprechen und zugleich Impulse für ein verantwortungsbewusstes Naturerleben setzen. Ein anspruchsvolles Projekt, das signifikante Ergebnisse für den Premium-Wanderort liefert.

„Wandern ist so viel mehr. Man muss nur die richtigen Stellschrauben drehen”, sagt Rüdiger Grebe, der weiß, wovon er spricht. Er weiß, wovon er spricht. Seit Jahren konzipiert er Wanderwege, studiert Trends und liefert Ideen für den Wandertourismus rund um Bad Berleburg. Grebe hat auch den Impuls für das innovative Citizen-Science-Forschungsprojekt Wanderlabor gegeben. „Der Wanderer muss sich auf dem Weg angesprochen fühlen – und zwar mit allen Sinnen“, erklärt er, der das Projekt gemeinsam mit Thomas Frost leitet.

Die Wege im Premium-Wanderort stehen für hohe Qualität und thematische Vielfalt, denn sie führen durch einzigartige Landschaften und zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten. Doch was erwartet der Wandertourist wirklich? Wie sieht das Wandern der Zukunft aus?

Fakt ist: Themen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit und Biodiversität sind Herausforderung und Chance zugleich. „Um die Spitzenposition unseres Premium-Wanderortes zu halten, müssen wir uns aktiv mit den Veränderungen von Klima, Natur und Gesellschaft auseinandersetzen“, sagt Tourismusmanagerin Carola Haas. Wandern sei nicht mehr nur eine reine Freizeitaktivität, sondern biete auch die Möglichkeit, den Blick für eine lebenswerte, nachhaltige Zukunft zu schärfen.

Die Touristiker und Projektbeteiligten haben daher in enger Abstimmung mit den Wissenschaftlern der Fernuniversität Hagen ein detailliertes Konzept entwickelt. Kernpunkt des sogenannten „Wanderlabors“ sind begleitete Interviews entlang des Premiumwegs „Via Celtica“. Ein Team aus Interviewer, Techniker und Beobachter geht mit einem Teilnehmer über Abschnitte dieses Interpretationspfades. Dabei wird die eigene Auffassung des Wanderers gefordert oder der Spaziergang mit Audiotexten aus dem Bereich Natur- und Kulturinterpretation (Heritage Interpretation) ergänzt. Die Gespräche werden aufgezeichnet, transkribiert und mithilfe einer thematischen Analyse ausgewertet.

Die Gespräche während der Laborwanderung wurden aufgezeichnet, transkribiert und mithilfe einer thematischen Analyse ausgewertet.

Ob die „Beton-Kathedrale” unter der Ederbrücke, die artenreiche Wildnisfläche oder die sprudelnde Meisbach-Quelle – jeder Ort hat seine eigene Ausstrahlung. Jeder Ort hat seine eigene Ausstrahlung. Jeder Teilnehmer hat seine eigene Wahrnehmung. „Die Interviews mit teilweise persönlichen Geschichten haben uns tief beeindruckt“, zeigt sich Carola Haas auch Wochen später noch begeistert. Überregionale Experten haben sich auf diese Laborwanderung begeben und das Projekt unverblümt und ehrlich auf sich wirken lassen. Erlebnisse, Emotionen und Entdeckungen. Gefühle, Geräusche und Gedanken. Sehen, Staunen und Sprechen – Bürgerbeteiligung von ihrer schönsten Seite.

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Die Ergebnisse dieser qualitativen Interviews wurden zusammen mit den Erkenntnissen einer quantitativen Online-Befragung an die Fernuniversität Hagen weitergeleitet. Damit erhält das Projekt nun seine wissenschaftliche Einordnung inklusive Auswertung und Maßnahmenkatalog. „Die Ergebnisse belegen, dass naturbasierte Erlebnisse auf Wanderwegen ein hohes Potenzial haben, Erholung, Naturverbundenheit und Umweltbewusstsein zu fördern. Sie unterstreichen zugleich die Bedeutung einer sensiblen landschaftlichen Gestaltung, einer klaren Wegführung sowie einer zielgruppenspezifischen, nicht überfordernden Informationsvermittlung“, so steht es im Bericht der Fernuniversität Hagen. Die Erkenntnisse zeigen demnach, wie Wege gestaltet werden können, die zugleich ästhetisch ansprechend, ökologisch wertvoll, erholsam und lernwirksam sind. „Hochwertige Naturerlebnisse können nachhaltig interessant sein – und das für ganz unterschiedliche Zielgruppen“, erläutern die Wissenschaftler der Universität.

Für die Touristiker und das Team des Wanderlabors ist diese Aussage ein klarer Auftrag: „Das bestärkt unsere bisherige Arbeit. Wir sind auf dem richtigen Weg und werden ihn weitergehen“, blickt Andreas Bernshausen, Geschäftsführer der BLB-Tourismus GmbH, optimistisch voraus. In vielen wandertouristischen Themen sei man Vorreiter, und das Pilotprojekt „Wanderlabor“ zeige deutliches Potenzial für die Region. „Qualität halten – wenn möglich ausbauen – und Aktualität steigern“ sind zwei herausfordernde Eckpfeiler dieser Arbeit. Dafür muss die Digitalisierung der Wege weiter vorangetrieben werden. „Audioschleifen sind ein Beispiel dafür. Sie können dem Wanderer gezielt Informationen vermitteln und ihn gleichzeitig zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema motivieren“, so Bernshausen. Darüber hinaus gibt es aber zahlreiche unterschiedliche Anreize, um das Wandererlebnis nachhaltig und positiv zu festigen.

Erste konkrete Maßnahmen sind bereits in der Umsetzung und bauen teilweise auf bestehenden Konzepten auf. Die erneuerten Aussichtskanzeln in Arfeld und Schwarzenau bieten nicht nur herrliche Weitblicke, sondern sind auch ideale Ruhe-, Schatten- und Informationsplätze. „Zum Start in die Wandersaison bekommen die Plattformen zusätzlich neue Fernrohre mit einem 360°-Panorama“, berichtet Carola Haas. Die innovativen, schwenkbaren Module geben den Blick auf Berge, Orte und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung frei – ganz ohne Strom und Elektronik, dafür aber mit informativen Beschreibungen.

Damit bestätigt sich auch das Anfangszitat von Rüdiger Grebe: „Wandern ist so viel mehr.“

Über das Wanderlabor

Citizen Science bezeichnet Bürgerforschung oder Bürgerwissenschaft. Der Begriff beschreibt wissenschaftliche Projekte, bei denen interessierte Bürger aktiv an Konzepten mitarbeiten. Die Beteiligung kann in allen Projektphasen erfolgen. Ideenfindung, Datensammlung, Analyse, Auswertung und Verbreitung der Ergebnisse. Das Ziel besteht darin, wissenschaftliche Themen mit großer Reichweite und breiter Datenbasis zu bearbeiten, wobei meist Fachleute und Forschende unterstützend mitwirken.

Für das Wanderlabor hat die BLB-Tourismus GmbH vorwiegend Bürger aus den Bereichen Wandern, Tourismus, Naturschutz und Nachhaltigkeit einbezogen. Der wissenschaftliche Partner ist die Fernuniversität Hagen. Das Projekt wird von LEADER gefördert und ist eng in die Nachhaltigkeitsstrategie 2030 der Stadt Bad Berleburg eingebettet.

Von den öffentlichen Handlungsempfehlungen profitieren nicht nur der Premium-Wanderort und die Stadt Bad Berleburg. Auch kreis-, landes- und bundesweite Wanderdestinationen können diese Ergebnisse einsehen und nutzen. Unter Berücksichtigung dieses Forschungsprojektes kann das Deutsche Wanderinstitut konkrete Standards für das Wandern der Zukunft festlegen.

Ausführliche Informationen gibt es im Internet unter www.wanderlabor.de.

Quelle: BLB-Tourismus GmbH

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