Vögel zählen in der Einsamkeit

Mal kurz zum Bäcker und Brötchen holen, geht nicht. Auch für alles andere, was man so täglich zum Leben braucht, können die Bewohner von Ruden nicht einfach zum Kaufmann um die Ecke gehen. Denn um sie herum sind nur Wind und Wasser, weil Ruden ein gerade mal 0,3 Quadratkilometer großes Ostsee-Inselchen vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ist. Keine Nachbarn, die stören könnten. Nur Schafe, die die meiste Zeit über friedlich grasen und deren Blöken sich mit dem Geschrei der Seevögel mischt, die für ihre Brutgeschäfte die Abgeschiedenheit der Insel ebenfalls lieben.

Nahe des Kieferndünenwäldchens gleich hinter dem einzigen Wohnhaus auf Ruden kann man außerdem Singvögel belauschen und beobachten, die hier auf ihrem Weg gen Norden oder Süden gerne mal eine Pause einlegen. Wobei auch sie sich in Acht nehmen müssen vor Meister Reinecke, der die zuweilen zugefrorene Ostsee genutzt hat, um ebenfalls zum Inselbewohner zu werden.

Über elf Jahre lang hüteten Conrad Marlow und seine Frau Ursula Toth dieses kleine Paradies. Auf die zwischen Usedom und Rügen gelegene Mini-Insel war Marlow zunächst als Hafenmeister gekommen. Bald galt es jedoch immer weniger Segler oder andere Wassersportler an ihrem Ankerplatz einzuweisen. Denn der Rudener Hafen wurde zum Schutz von Fauna und Flora zurückgebaut. Jetzt sind es fast nur noch die „MS Seeadler“ oder die Motorfähre „Apollo 1“, die Kurs auf die ehemalige Lotseninsel im Greifswalder Bodden nehmen. Wobei beide Schiffe während der Hauptsaison dreimal vom Festland bei Freest und von Peenemünde auf Usedom ablegen, ansonsten aber an nur zwei Tagen die Woche einen Schiffsbauch voller Ausflügler nach Ruden bringen, deren Aufenthalt auf der kleinen Insel mit Rücksicht auf die Natur allerdings auf eine Stunde begrenzt ist. Wenig Zeit also, um all die Besonderheiten des Inselchens zu erkunden. Und um vielleicht auch noch die Aussicht vom roten Backstein-Messturm zu genießen, der im Zweiten Weltkrieg Teil der Heeresversuchsanstalt Peenemünde gewesen ist. Der ehemalige Messturm mit Blickverbindung aufs Festland beherbergt heute auch noch ein kleines Museum: Ruden-Besuchern bleibt leider die Qual der Wahl.

Inzwischen kümmert sich der Verein Jordsand als einer der ältesten Naturschutzvereine Deutschlands um die Insel, denn das Ehepaar Marlow-Toth ist aus gesundheitlichen Gründen aufs Festland zurückgekehrt. Also hat der 30-jährige Biologe Tim Kress hier im Auftrag von Jordsand seine Arbeit als Vogelwart aufgenommen und wird dabei von zwei freiwilligen Helfern unterstützt. Später sollen für jeweils 18 Monate auch Mitarbeiter im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes auf Ruden leben: Wichtig ist dem Verein Jordsand, der allein in Mecklenburg-Vorpommern vier Inseln betreut, auch hier eine Kontinuität.

Zu DDR-Zeiten ist auf dem früher kahlen Eiland jenes Wäldchen angelegt worden, das Studenten der Universität Greifswald mit pflegen helfen, da es weit über hundert Pflanzen beherbergt, von denen die meisten auf der Gefährdungsliste stehen. Dies ist mit einer der Gründe, weshalb Besucher die schmalen Sandwege nicht verlassen dürfen. Nicht mal in Ufernähe, denn auf der Insel leben 56 Brutpaare kleinerer und größerer Singvögel. Außerdem ist sie Ruheraum für den Seeadler und in ihrem Brackwasser fühlt sich nicht nur der Fischotter sondern auch der Biber wohl.

Zwölf Kilometer vom Festland entfernt liegt die Greifswalder Oie. Auch dieses ehemalige militärische Sperrgebiet wird vom Verein Jordsand betreut und ist seit Lockerung des Betretungsverbotes ein ebenfalls exquisites Ziel mitten in der Ostsee, das sich zu besuchen lohnt. Ähnlich wie schon auf Ruden, darf wiederum nur eine überschaubare Zahl an Touristen die Insel erkunden, auf der auch die „Eugen“, ein Schiff der Deutschen Seenotrettung, mit drei Mann Besatzung stationiert ist.

Außerdem lebt Matthias Mehla auf der Greifswalder Oie. Er stammt aus Thüringen und ist Förster, und er kümmert sich hier um die vielfältige Naturschutzarbeit. Dazu gehört die Landschaftspflege der mit Ilex und riesigen Weißdornbäumen bestandenen Wälder: Bis weit in den Mai hinein wuchert in deren Schatten Bärlauch wie andernorts Unkraut. Hauptsächlich aber ist Matthias Mehla zuständig für die Vogelwarte, die der Verein Jordsand auf der Greifwalde Oie zu Forschungszwecken betreibt.

Mindestens 20.000 Singvögel nutzen die von Steinwällen gegen Landverlust geschützte, 54 Hektar große Erhebung in der Ostsee auf ihrem Flug gen Norden oder Süden als Zwischenlandeplatz und werden von Mehla dabei durch Fangnetze gestoppt, in Windeseile beringt und vermessen und somit für die Wissenschaft registriert. Und sind’s mal keine gefiederten Gäste, keine Heidschnucken und keine Pommerschen Landschafe, die die Aufmerksamkeit des 32-jährigen Einsiedlers fordern, führt Matthias Mehla Besucher auf verschlungenen Pfaden gerne noch zur Bienenbelegstation. Fern von schädlichen Einflüssen werden hier die Königinnen gezüchtet für fleißige Honigsammlerinnen der Sorte Buckfast und Carnica. Und es nistet sich in deren Holzkästen auch mal ein Siebenschläfer ein, der sich nicht mal von Touristen erschrecken lässt, eher umgekehrt.

Im Bereich des Greifswalder Bodden, der den Status eines FFH- und zugleich eines Europäischen Vogelschutzgebietes genießt, findet man mit Vilm noch eine weitere Ostseeinsel, die nicht Gefahr läuft, vom Tourismus vereinnahmt zu werden, wobei sie zu DDR-Zeiten schon mal eine Ferieninsel gewesen ist. Jedoch nicht für jedermann. Geschützt vor neugierigen Blicken seiner Volksgenossen hat von Beginn der 1960er Jahre bis zum Mauerfall der komplette Ministerrat der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik auf Vilm Urlaub in den mit Rohr gedeckten Häusern gemacht, die zwar nicht – wie oft gemunkelt – mit goldenen Wasserhähnen ausgestattet waren, jedoch mit allem zur Verfügung stehenden Komfort.

Heute bringt das Motorschiff „Julchen“ zwei Mal pro Tag ab Lauterbach auf Rügen maximal 30 Fahrgäste auf Honeckers Insel, wie Vilm genannt wurde. Dort zeigt Andreas Kußfuß die wieder frisch in gelb getünchten Häuser: Jenes mit der Nummer 1, in dem sich Walter Ulbricht erholt hat und über den sich manche noch erzählen, er sei ein volksnaher Politiker gewesen und habe während seiner Ausflüge aufs Festland mit manchem Lauterbacher Fischer Kontakt gesucht. Auch das Ferienhaus von Erich und Margot Honecker steht noch. Und in der Nummer 6 hat Hilde Benjamin residiert, die auch „Bluthilde“ genannte Justizministerin.

Diese Geschichten jedoch sind Geschichte. Längst darf man sich auf Vilm einfach unter 400 Jahre alte Eichenbäume oder riesige Ulmen setzen und dabei einem hier entstandenen Gemälde von Caspar David Friedrich nachspüren. Darf dem Geräusch der Wellen lauschen und den Höckerschwänen zuschauen, wie sie diese Insel erobern, auf der in einer Außenstelle des Bundesamts für Naturschutz ganzjährig 30 Wissenschaftler beobachten, wie die Kegelrobben zurückkehren. Oder erforschen, warum gerade hier die Pflanzenvielfalt besonders reich ist.

Anreise und Führungen vor Ort

Auf die Greifswalder Oie und auf den Ruden gelangt man von Freest (Vorpommern Festland, nahe Kröslin) sowie von Peenemünde (Usedom). Fahrzeiten unter: www.schifffahrt-apollo.de

Führungen auf der Greifswalder Oie und auf dem Ruden unter: www.jordsand.de

Nach Vilm verkehrt das Motorschiff „Julchen“ von Lauterbach (Rügen). Fahrzeiten und Informationen zu Führungen unter: www.vilmexkursion.de

Quelle: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Auf dem SeeGang öffnen sich immer wieder sagenhafte Ausblicke auf das weite Blau des Bodensees. / Foto: © Ulrike Klumpp
21.09.2022

Premiumwanderweg SeeGang lädt zum Genusswandern mit Bodenseeblick ein

Beim Genusswandern auf dem SeeGang am 16. Oktober 2022 treffen atemberaubende Blicke über den Bodensee auf herzhaft-feine Kostproben.
mehr erfahren
Roßköpfleweiher bei Monheim im Altmühltal / Foto: © Tourismusverband Naturpark Altmühltal
15.09.2022

Wegevielfalt für Wanderer im Naturpark Altmühltal

Im Naturpark Altmühltal findet sich eine Vielfalt an spannenden Routen, das Angebot reicht vom kurzen Nachmittagsspaziergang über Tages- und Halbtagestouren bis hin zu mehrtägigen Mikroabenteuern.
mehr erfahren
Eichstätt im Herbst / Foto: © Stefan Schramm
15.09.2022

Eichstätter Wanderwochen 2022 mit geführten Touren

Wenn die Blätter sich rot und golden färben und die säulenartigen Büsche auf den Wacholderheiden lange Schatten im milden Sonnenschein werfen, gehen Wanderer im Naturpark Altmühltal besonders gern auf Tour.
mehr erfahren
Auf der ersten Etappe des Goldsteigs liegt eingebettet in markante Gesteinsformationen die Burgruine Weißenstein. / Foto: © djd/Oberpfälzer Wald/Thomas Kujat
14.09.2022

Burgen, Bahn und Baxi

Im Oberpfälzer Wald lässt sich der Wanderurlaub umweltschonender durch gute ÖPNV-Anbindungen und Baxi-Anrufbusse gestalten.
mehr erfahren
Vom 23. bis 25. September 2022 findet der 12. Rhöner Wandertag im Staatsbad Bad Bocklet statt. Neben vielen Bewegungsangeboten dreht sich das Programm vor allem um Gesundheit, Kultur und Kulinarik. / Foto: © Rhön GmbH, Florian Trykowski
14.09.2022

12. Rhöner Wandertag vom 23. bis 25. September 2022 im Staatsbad Bad Bocklet

Vom 23. bis 25 September 2022 findet der 12. Rhöner Wandertag in Bad Bocklet statt und den Besuchern werden zahlreiche Wanderstrecken sowie auch in Sachen Gesundheit, Kultur und Kulinarik geboten.
mehr erfahren
Wie geht Wetzsteinmachen? In Ohlstadts Schleifmühle wird es gezeigt. / Foto: © Das Blaue Land
12.09.2022

Altes Wissen schärfen im Blauen Land

mehr erfahren
Kulinarisches Wanderwochenende 2022 in Medebach / Foto: © Touristik-Gesellschaft Medebach mbH
08.09.2022

Kulinarisches Wanderwochenende am 1. und 2. Oktober 2022 in Medebach

In Medebach ist das Kulinarische Wochenende ein alljährliches Veranstaltungshighlight zum Beginn der Herbstferien und in diesem Jahr sind 2 unterschiedlich lange Wandertouren geplant.
mehr erfahren
Bereits um 6 Uhr früh startete das Feld in Scharnitz. Ca. 2100 Personen nahmen die Herausforderung an. / Foto: © Karwendelmarsch
29.08.2022

Voller Erfolg für den 13. Karwendelmarsch in Tirol

Vor prachtvoller Kulisse ging am 27. August 2022 der legendäre Karwendelmarsch mit etwa 2100 Läufer und Wanderer von Scharnitz bis Pertisau über die Bühne.
mehr erfahren
Blaue Seen, grüne Wiesen, gelbe Zirbenwälder: Im Herbst zeigt die Turracher Höhe ihre ganze Pracht. / Foto: © TMG, Rosmann
29.08.2022

Wanderherbst 2022 auf der Turracher Höhe

Im Herbst zeigt sich das Wanderparadies Turracher Höhe mit prächtigen Farben von der schönsten Seite und der Almbutler zeigt Gästen die schönsten Plätze des steirisch-kärntnerischen Hochplateaus.
mehr erfahren
Kandel und Kandelfels im ZweiTälerLand / Foto: © Hansen, Schwarzwald Tourismus
23.08.2022

Genusswandern im herbstlichen Schwarzwald

Hütten und Berggasthöfe sind die Krönung jeder Wanderung im Schwarzwald und neun Wanderungen mit Einkehr-Tipps, die bis in den Herbst hinein zum Genuss einladen, stellen wir hier vor.
mehr erfahren