Fürstenschlösser, Fachwerk und die Kunst des trennenden Zusammenfügens

Schweinfurt, Museum Georg Schäfer mit Blick auf Ebracher Hof - Fürstenschlösser, Fachwerk und die Kunst des trennenden Zusammenfügens

Wenn sich die Dämmerung langsam über Dettelbachs Stadtmauertürmchen, Tore und Fachwerkgiebel senkt, erstrahlt ein neuer architektonischer Stern direkt im historischen Zentrum des Weinstädtchens umso heller: Zwischen dem historischen Rathaus mit seiner markanten Freitreppe und der Stadtpfarrkirche St. Augustinus verbindet das Kultur- und Kommunikationszentrum (KuK.) jahrhundertealte Gebäudeteile mit einem modernen Neubau, dessen Glasfassade für Passanten zum Schaufenster der Dettelbacher Weinkultur wird. Wie in Dettelbach gehen Alt und Neu, Traditionsbewusstsein und Aufgeschlossenheit in Franken vielerorts spannende architektonische Verbindungen ein.

Egal ob fürstliches Schloss, prächtige Kirche, Bauernhaus oder Fabrikgebäude, jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte. Wie eng Historie, Kultur und Baukunst in Franken miteinander verwoben sind, zeigt sich besonders eindrucksvoll an der Weinarchitektur. Die Geschichte des Weinanbaus reicht hier bis in die Zeit Karls des Großen zurück. Sonnenverwöhnte Lagen und fruchtbare Böden bilden noch heute die Grundlage für Spitzenweine, doch Anbaumethoden und Rebsorten haben sich im Lauf der Jahrhunderte gewandelt. Winzer setzen neue kreative Ideen um und öffnen ihre Keller für interessierte Genießer. Dieser Wandel spiegelt sich auch in der Architektur von Weingütern und Vinotheken wider. Heimische Materialien treffen auf große Glasflächen, die spannende Einblicke gewähren. Visuelle Eindrücke verbinden sich mit dem Geschmack des Weines zu eindrucksvollen Erlebnissen. Viele sehenswerte und teils prämierte Beispiele dieser neuen Baukultur verbinden die „WeinArchitekTouren“ von „Franken – Wein.Schöner.Land!“. Diese acht Reisevorschläge führen zu ausgewählten Weingütern und Vinotheken im Weinland Franken (www.franken-weinland.de/erlebnis/architektouren).

Bauwerke von Weltrang

Einige der schönsten Anlaufstellen für Weingenießer sind in der Stadt Würzburg zu finden, darunter der Staatliche Hofkeller. Die Moderne hat in dem weitläufigen Weinkellerlabyrinth nur in Details wie etwa der stimmungsvollen Beleuchtung der Fässer Einzug gehalten, schließlich sind die Räume Teil eines UNESCO-Weltkulturerbes: Sie liegen im „Bauch“ der von Balthasar Neumann entworfenen Fürstbischöflichen Residenz. Zusammen mit den vier weiteren fränkischen Welterbe-Stätten macht diese Jahrhunderte der Baugeschichte erlebbar – von der Antike bis in die Neuzeit.

Vom ältesten der Bauwerke, dem Obergermanisch-Raetischen Limes, zeugen Ausgrabungsstätten sowie Rekonstruktionen römischer Kastelle und Wachttürme. In die Zeit des Mittelalters versetzt das Altstadtensemble von Bamberg die Besucher. Berühmte Sehenswürdigkeiten wie das von der Regnitz umflossene Rathaus sind nur die Höhepunkte unter den mehr als 1.000 denkmalgeschützten Häusern der Stadt. Eines der besterhaltenen Beispiele barocker Theaterarchitektur beeindruckt in Bayreuth: Mit dem üppig ausgestatteten Markgräflichen Opernhaus leistete sich das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine im 18. Jahrhundert eine Bühne, die den Vergleich mit denjenigen in Paris, Wien oder Venedig nicht zu scheuen brauchte.

Bayreuth, Markgräfliches Opernhaus

Frankens jüngstes UNESCO-Welterbe entführt in die Epoche des beginnenden 20. Jahrhunderts: Bad Kissingen darf sich als Teil der „Great Spas of Europe“ seit Juli 2021 ebenfalls zu den Kulturstätten von Weltrang zählen. Den im klassischen Stil gehaltenen Arkadenbau gab König Ludwig I. von Bayern bereits 1834 in Auftrag, damit die blaublütigen und berühmten Gäste des Heilbads im Kurgarten nicht länger Wind und Wetter ausgesetzt waren. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dieses Bad Kissinger Wahrzeichen von dem Architekten Max Littmann erweitert, der auch den mondänen Regentenbau und die an eine Basilika erinnernden Wandelhalle schuf (www.frankentourismus.de/unesco-welterbe-franken).

Wo Kaiser und Könige residierten

König Ludwig I. trat nicht nur in Bad Kissingen als Bauherr in Erscheinung, sondern unter anderem auch in Aschaffenburg, seinem „bayerischen Nizza“: Hier ließ er Mitte des 19. Jahrhunderts das Pompejanum als Nachbildung eines römischen Wohnhauses aus Pompeji errichten. Schon lange vor den bayerischen Königen verfügten die deutschen Kaiser des Mittelalters über einige „Wohnsitze“ in Franken.

Dazu gehörte zum Beispiel die Kaiserburg in Lauf a.d.Pegnitz, die unter Karl IV. erbaut wurde. Auch die einflussreichen fränkischen Adelsgeschlechter hinterließen ihre baulichen Spuren in Form von wehrhaften Burgen und prächtigen Schlössern – wie etwa die Grafen von Henneberg, zu deren Besitzungen die Veste Coburg und die Veste Heldburg in der Ferienregion Coburg.Rennsteig gehörten, oder das Haus Hohenlohe, das den Westen des Reiselands Franken mit architektonischen Schätzen wie Schloss Weikersheim und Schloss Schillingsfürst beschenkte.

Als besonders einflussreich erwies sich schließlich ein Geschlecht, dessen Aufstieg mit der Position der Burggrafen auf der Kaiserburg in Nürnberg begann: die Hohenzollern. Als Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth herrschten sie über große Gebiete in Franken und verliehen nicht nur ihren Residenzstädten baulichen Glanz, der bis heute anhält. Die Plassenburg in Kulmbach mit ihrem prächtigen Renaissanceinnenhof, Schloss Ratibor in Roth oder die Hugenottenstadt in Erlangen, die Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth Ende des 17. Jahrhunderts erbauen ließ, um französische Religionsflüchtlinge in seinem Herrschaftsgebiet anzusiedeln – unterschiedlichste Bauwerke zeugen vom Machtbewusstsein der Markgrafen, aber auch von fortschrittlichen Ideen und Sinn für Ästhetik.

So bezaubert etwa Ansbach mit Rokoko-Glanz und Bayreuth erlebte dank der kunstsinnigen Markgräfin Wilhelmine eine Blütezeit. Die Schwester König Friedrichs II. von Preußen sorgte für den Umbau der Eremitage, die Gestaltung des Felsengartens Sanspareil bei Wonsees, den Bau des Neuen Schlosses und nicht zuletzt für die Errichtung des Markgräflichen Opernhauses (www.frankentourismus.de/burgen_schloesser).

Die Harmonie der Gegensätze

Diese weltlichen Auftraggeber wurden in Franken in ihrem architektonischen Geltungsdrang vielleicht noch von den Kirchenfürsten übertroffen. Die Prunklust der Fürstbischöfe von Würzburg, Eichstätt und Bamberg entfaltet sich in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg zu voller Blüte. Ihnen verdankt Franken Bauwerke wie den Rokoko-Garten in Veitshöchheim oder das barocke Ensemble des Eichstätter Residenzplatzes, das als eines der schönsten seiner Art in Süddeutschland gilt. Eichstätt gibt heute auch eine Antwort auf die Frage, wie sich dieses bauliche Erbe mit den Ansprüchen der Moderne vereinen lässt: Der Diözesanbaumeister Karljosef Schattner bescherte der kleinen Universitätsstadt mit seiner Idee des „trennenden Zusammenfügens“ einen weiteren architektonischen Höhepunkt. Sein Ziel war es, dem authentisch Alten etwas ebenso authentisch Zeitgenössisches entgegenzusetzen: Stahl statt Stein, Beton und Glas statt Mauerwerk, Lochbleche statt Holz. Die von Schattner und seinem Nachfolger Karl Frey gestalteten Gebäude in der historischen Altstadt und die von Günther Behnisch entworfene Zentralbibliothek in der Altmühlaue sind heute ebenso Anziehungspunkte für Architekturfans wie die barocken Prachtbauten (www.eichstaett.de/modern).

Ein weiteres Beispiel für die Harmonie von Historie und Moderne in Frankens Städten bietet Schweinfurt mit der Stadtbücherei in der Zehntscheune des Ebracher Hofs und dem direkt daneben gelegenen modernen Bau des Museums Georg Schäfer, der mächtig und luftig zugleich wirkt (www.schweinfurt.de/kultur-event/museen-in-schweinfurt).

„Blaues Gold“ und Bruchsteinmauern

In den einstigen freien Reichsstädten in Franken, zu denen Schweinfurt gehörte, waren es vor allem auch die Bürger, die ihrem Selbstbewusstsein mit markanten Bauten Ausdruck verliehen. Nürnberg, Rothenburg o.d.T. und Dinkelsbühl, Weißenburg i.Bay. und Bad Windsheim haben sich neben Bauten aus Renaissance und Barock mit ihren pittoresken Fachwerkhäusern auch viel mittelalterliches Flair bewahrt (www.frankentourismus.de/fraenkische-reichsstaedte).

Überhaupt ist das oft aufwendig gestaltete Fachwerk ein architektonisches Markenzeichen vieler fränkischer Urlaubslandschaften. Besonders verbreitet ist der romantisch anmutende Baustil entlang der Deutschen Fachwerkstraße in den Haßbergen (www.hassberge-tourismus.de/erleben/deutsche-fachwerkstrasse).

Mancherorts finden sich aber auch ganz andere regionaltypische Hauslandschaften. So wurde zum Beispiel in Teilen des Frankenwalds Schiefer, das „blaue Gold“ der Gegend, traditionell für Dächer und Fassaden verwendet – wie etwa im Schieferdorf Steinbach an der Haide nahe Ludwigsstadt erleben (www.frankenwald-tourismus.de/de/bei-uns/typisch-frankenwald/schiefer). Im Naturpark Altmühltal fallen die typischen Jurahäuser mit ihren Legschieferdächern und Bruchsteinmauern sofort ins Auge. Die Bandbreite reicht vom großen Bauernanwesen bis zum winzigen Austragshäuschen. Inzwischen wurden viele der historischen Häuser liebevoll renoviert – einige davon auch als Gaststätten oder Ferienhäuser. Mit dem Siegel „Zu Gast im Denkmal“ macht die Urlaubslandschaft auf Jurahäuser und andere geschichtsträchtige Bauten, die ihre Türen für Gäste öffnen, aufmerksam (www.naturpark-altmuehltal.de/gast-im-denkmal).

Werkstätten und Zufluchtsorte

Doch nicht nur die verfügbaren Baumaterialien bestimmten die Architektur, sondern auch die Ansprüche an die Nutzung. Das wird besonders rund um die Stadt Spalt im Fränkischen Seenland deutlich: Unter den hohen Giebeln der Hopfenhäuser verbergen sich mehrere Dachböden, die früher zur Trocknung der Hopfendolden genutzt wurden.

Eine spezielle Funktion hatten auch die Kirchengaden. Im Mittelalter wurden in vielen Dörfern die Kirchen befestigt, sodass sich die Bevölkerung im Kriegsfall in den ummauerten Kirchhöfen verschanzen konnte. Innen wurden an den Mauerring einräumige Häuschen, die Gaden, angebaut, die den Bauern auch als Lagerräume dienten. Eine Wehrkirche mit Gaden bildet den Mittelpunkt des Kirchenburgmuseums Mönchsondheim bei Iphofen. Wo die Menschen früher Zuflucht suchten, lassen heute 17 Werkstätten alte Handwerkstechniken lebendig werden. Um die dörfliche Architektur zu erkunden, sind auch die fränkischen Freilandmuseen, beispielsweise in Bad Windsheim und Fladungen, ideale Anlaufstellen. Von der Mühle über das Kommunbrauhaus bis zur alten Telefonzelle spazieren Besucher hier durch Jahrhunderte fränkischer Baugeschichte (www.freilandmuseum.de, www.freilandmuseum-fladungen.de).

Quelle: Tourismusverband Franken e.V.

Natur im Zwielicht / Foto: © Weimarer Land Tourismus I Roman Möbius
24.05.2024

Mit Goethe und Feininger durchs Weimarer Land

Idylle mit Tiefgang: Das Weimarer Land, die Region rund um die Goethestadt Weimar, ist ein Eldorado für Kultur- und Naturliebhaber.
mehr erfahren
Museumsuferfest in Frankfurt am Main / Foto: © #visitfrankfurt I Holger Ullmann
23.05.2024

Frankfurter Sommerzauber: Open-Air-Kultur und versteckte Stadtperlen entdecken

Tauchen Sie ein in den Sommer in Frankfurt am Main und erleben Sie eine Stadt, die vor Leben pulsiert. Frankfurt im Sommer 2024: Ihr perfektes Ziel für einen Städtetrip voller Genuss und Kultur.
mehr erfahren
Besucherweg im Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Foto: © Oliver Dietze / Weltkulturerbe Völklinger Hütte
23.05.2024

2. Juni: UNESCO-Welterbetag 2024 in Deutschland

Am 2. Juni 2024 laden die Deutsche UNESCO-Kommission und der Verein UNESCO-Welterbestätten Deutschland dazu ein, das Welterbe im ganzen Land vor Ort und digital zu erkunden.
mehr erfahren
Besucherweg im Weltkulturerbe Völklinger Hütte / Foto: © Oliver Dietze / Weltkulturerbe Völklinger Hütte
23.05.2024

UNESCO-Welterbetag und Festwochenende 30 Jahre Welterbe Völklinger Hütte

Als Höhepunkt des Jubiläumsjahres 30 Jahre Weltkulturerbe Völklinger Hütte feiert das ehemalige Eisenwerk um den UNESCO-Welterbetag mit zahlreichen Gästen am 1. und 2. Juni 2024 ein großes Festwochenende.
mehr erfahren
Bad Kösen feiert sein Brunnenfest mit einem großen historischen Festumzug / Foto: © T.Biel
23.05.2024

Hier liegt Salz in der Luft - Brunnenfest 2024 in Bad Kösen

Bad Kösen feiert die Entdeckung seiner Solequellen, die die Flößerstadt zum beliebten Kur- und Badeort machten, vom 31. Mai bis 2. Juni 2024.
mehr erfahren
v.l.n.r: Andreas Bilo, Geschäftsführer Kassel Marketing GmbH Hubert Henselmann, Bereichsleiter Tourist Service Kassel Marketing GmbH Dr. Norbert Wett, Tourismusdezernent und Aufsichtsratsvorsitzender der Kassel Marketing GmbH / Foto: © Kassel Marketing GmbH, Foto: Mario Zgoll
23.05.2024

Erfolgreicher Saisonstart 2024 auf dem Kasseler Camping- und Wohnmobilplatz

Auf sonnige Tage an der Fulda können sich die Gäste des Camping- und Reisemobilstellplatzes Kassel freuen - und auf attraktive Neuerungen
mehr erfahren
Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth / Foto: Michael Sander [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons
22.05.2024

Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth: Welterbe & Museum

Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, seit 2012 UNESCO-Weltkulturerbe, ist das bedeutendste und besterhaltene Beispiel barocker Theaterkultur.
mehr erfahren
Saarschleife im Nebel / Foto: © Günther Schneider auf Pixabay
21.05.2024

Genuss und Kultur im Saarschleifenland

Das Saarschleifenland ist ein Genießerland. Die Nähe zu Frankreich und Luxemburg beeinflusst seit Generationen die Küche und schafft in Kombination mit den zahlreichen regionalen Produkten spannende kulinarische Kreationen.
mehr erfahren
Die weitläufige Gartenanlage des ehemaligen Kartäuserklosters Kartause Ittingen ist frei zugänglich. Dort findet sich unter anderem die umfangreichste Sammlung historischer Rosensorten in der Schweiz. / Foto: © Kartause Ittingen
21.05.2024

SinnesImpulse beim Grenzenlosen GartenRendezvous 2024 am westlichen Bodensee

Es grünt und blüht in den Gärten und Parks am westlichen Bodensee. 69 dieser üppigen Paradiese können im Rahmen des Grenzenlosen GartenRendezvous 2024 besucht werden.
mehr erfahren
Am Freitag, den 17. Mai 2024, wurde die Ausstellung im Rathaus eröffnet. / Foto: © Stadt Freudenberg
21.05.2024

Kunstausstellung Menschenbilder- eine Reise durch die Vielfalt der Portraitmalerei in Freudenberg

Die Freudenberger Kunstausstellung Menschenbilder wurde am Freitag, 17.05.2024 von Bürgermeisterin Nicole Reschke eröffnet und ist vom 20.05. bis 21.06.2024 zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.
mehr erfahren